Archiv der Kategorie 'Nazis & Faschos'

Al-Quds-Tag 2010

Am 4. September 2010 beteiligten sich auf dem Berliner Kurfürstendamm rund 500 Menschen an der Al-Quds-Tag-Demonstration. Diese findet jährlich statt und wurde 1979 durch den iranischen „Revolutionionsführer“ Ayatollah Chomeini ausgerufen, um das reaktionäre Weltbild des iranischen Mullahregimes in die Welt zu tragen. „Al Quds“ ist der arabische Name der Stadt Jerusalem. Auf der Demonstration sind alljährlich antisemitische, israelfeindliche und islamistische Sprechchöre zu hören wie „Kindermörder Israel“, „Terroristenstaat Israel“ oder „Intifada bis zum Sieg“. Redebeiträge sind mit antisemitischen, verschwörungstheoretischen Ressentiments angereichert und verweisen auf ein vermeintliches Machwerk der „Zionisten“. Außerdem werden holocaustrelativierende Transparente gezeigt, bspw. „Holocaust in Gaza“, und vermeintliche Thematisierungsverbote konstruiert, so zeigten Plakate „Israels Antisemitismuskeule durchbrechen. Gemeinsam gegen Meinungs- und Redeverbot“. Während der Demonstration werden abwechselnd zu antisemitischen Parolen auch muslimische Gebete gerufen wie „Allahu akbar“ (Gott ist groß).

Es fand auch eine Gegendemonstration statt, der No-Al-Quds-Tag.

Hier sind zwei Videos von der Al-Quds-Tag-Demo, die das alles dokumentieren:

All in all: der Al-Quds-Tag ist eklig!

Wer noch nicht genug hat, kann sich noch Eindrücke vom Al-Quds-Tag 2009 ansehen.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

Hitlergruß in Berlin-Wilmersdorf

Nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Ghana (1:0) am 23. Juni 2010 konnten wir um 21:45 22:35 Uhr beobachten, wie ein Träger eines Deutschlandstrikots in der Uhlandstraße (Höhe Uhlandstraße 104 / Ecke Berliner Straße) in Richtung Mittelstreifen, wo zwei seiner Bekannten standen, mindestens eine Minute lang einen Hitlergruß zeigte. Ohne einzuschreiten beobachteten dies etwa zehn bis 15 Menschen, die vor einem Dönerladen direkt daneben standen. Als wir den Mann auforderten, den Arm herunterzunehmen, reagierte er zunächst nicht. Erst bei der zweiten Aufforderung beendete er den Hitlergruß. Er folgte uns noch einige Meter, blieb dann aber stehen. Einer seiner Bekannten folgte uns noch etwa zwanzig Meter (also nicht weit) und rief uns noch ein „Linkes Pack!“ hinterher. Leider konnten wir den Fall nicht per Foto dokumentieren. Anzeige wurde nicht erstattet.

Vor dem Fußballspiel war ein Migrant afrikanischer Herkunft bereits zusammengeschlagen worden. Während Fußballweltmeisterschaften kam es wie auch 2006 zu einem Anstieg rechter Gewalt in Deutschland.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

Moskauer Fascho-Seite schließen

Geht mit einfach, schnell und ist sinnvoll! Hier die Anleitung:

Es wäre schön, wenn ihr mit drei Mausklicks helfen würdet eine Fascho-Mörderseite zu schliessen. Auf der Seite redscumwatch.blogspot.com sind die Bilder von Moskauer Antifas am 1. Mai in Moskau veröffentlicht, auf die Jagd gemacht werden soll. Darum muss Google die Seite schliessen – sonst werden diese Menschen in Russland ermordet.

Der Aufruf an Google geht ganz einfach: Geht aus eurem gmail-account heraus, falls ihr einen habt. Öffnet die Seite:

Hier bitten wir Google darum, diese Seite zu schliessen.
Fügt http://redscumwatch.blogspot.com/ in die Zeile „URL of the blog in question“ und drückt „submit“

In Russland werden mit trauriger regelmäßigkeit Menschen gezielt ermordet, weil sie Antifaschist_innen, Homosexuelle oder einer Subkultur zuzuordnen sind, oder dafür gehalten werden. Zuletzt wurde Dmitrij Kashizyn am 23.05.2010 von Neonazis getötet weil er äußerlich der Hardcore-Szene zuzuordnen war und die Nazis ihn für einen Antifaschisten hielten. mehr Infos hierzu.

(via 1000 Kreuze in die Spree)

1. Mai in Berlin: nazifrei!

Am 1.Mai 2010 ist es in gleich sechs Städten, Berlin, Rostock, Erfurt, Schweinfurt und Zwickau gelungen, Naziaufmärsche zum „nationalen Tag der Arbeit” zu verhindern, die Aufmarschroute zu verkürzen oder umzuleiten. Das ist ein großer Erfolg der antifaschistischen Kräfte. Lediglich im braunen Hoyerswerda konnten 400 Nazis ihre Demonstration wie geplant zu Ende führen.

Zu der Nazidemo in Berlin wurde bundesweit mobilisert. In Berlin ist es jedoch gelungen, mit Massenblockaden den Aufmarsch zu verhindern. Letztendlich marschierten rund 700 Nazis nach zwei Stunden und ganzen (!) 600 Metern in eine Sackgasse: Antifaschist_innen hatten alle Straßen und Seitenstraßen ihrer Route mit entschlossenen Sitzblockaden blockiert. Daran nahmen 6 000 Menschen teil. Insgesamt waren nach Angaben der Veranstalter_innen des Gegenprotests über 10 000 Menschen verteilt über den ganzen Tag an den Berliner Protesten beteiligt.

Erfolgreich ist also die Strategie gewesen, mit einem breiten Bündnis aus Antifa, Gewerkschaften, Parteien und zivilgesellschaftlichen Gruppen gegen den Naziaufmarsch zu mobilisieren. Dies hat deswegen so gut geklappt, weil von vornherein transparent war, was das Bündnis vorhatte: zivilen Ungehorsam mittels Massenblockaden. Der zweite Grund ist, dass stets klar gemacht wurde, dass vom Bündnis keine Gewalt ausgehen werde. Dies war für viele bürgerliche Organisationen, Gewerkschaften und Parteien eine Mindestanforderung für die Unterstützung solcher Blockaden. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass das Bündnis solidarisch mit allen ist, die an diesem Tag etwas gegen Nazis unternehmen. So konnten auch autonome Gruppen mobilisert werden. Die hybride Blockadestrategie hat also zum Erfolg geführt. Jan Landers, Sprecher des Bündnisses zog zum späten Nachmittag eine positive Bilanz: „Unser Blockadekonzept ist voll aufgegangen.“

Bürgerliche schützten durch ihre aktive Teilnahme die Autononem, die Autonomen durch ihre Aktionen die Bürgerlichen. Die gemeinsamen Regelüberschreitungen auf den Blockaden, die brennenden Barrikaden in den Seitenstraßen, Hinterhofkletteraktionen und Kleingartenaction ergänzten sich, sodass die Polizei verwirrt und überfordert war und die Blockaden sich langsam formieren konnten. Die Blockaden hätten nicht stehen können ohne das Chaos in Seitenstraßen. Das Chaos in den Seitenstraßen wäre ohne die Blockaden aber auch zielfrei gewesen und ohne Informationsfluss.

In den nächsten Monaten wird es für die Berliner rechte Szene schwierig werden, nach Berlin zu mobilisieren. Denn nach dem Misserfolg in Dresden ist der angekündigte Großaufmarsch in Berlin nicht zu Stande gekommen. Zudem beteiligten sich 286 Berliner Nazis (Zahlen laut Polizei) zeitgleich an einer (geplanten) Spontandemonstration auf dem Kurfürstendamm, die in der Gefangenensammelstelle endete. Ihnen droht jetzt nicht nur eine Verurteilung wegen schweren Landfriedensbruchs, sondern auch der Groll der Nazigruppen aus dem Bundesgebiet, die in der Bornholmer Straße von Antifaschist_innen mit Gegenständen beschmissen und von der Polizei verprügelt wurden. Die Berliner Szene wollte damit die Lehren aus Dresden im Februar 2010 umsetzten, durch ein Verwirrspiel rechte Freiräume für Demonstrationen zu erkämpfen. Dies ist nicht ernsthaft gelungen. Der 1. Mai 2010 war außerdem ein „Schlag in die Fresse“ der Berliner Naziszene, weil in den letzten Wochen und Monaten ihre Aktivitäten massiv zugenommen hatten. Damit dürfte für einige Zeit Schluss sein, da sich die rechten Kräfte erst einmal neu sortieren werden müssen. Zu befürchten ist derzeit, dass dezentrale Spontandemos der Nazis jedoch zum Normalfall werden könnten. Dann wird Gegenprotest zunehmend schwieriger.

Die Berliner Polizei prügelte jedoch auch massiv auf Gegendemonstrant_innen ein, kesselte, setzte Tränengas ein und ging brutal und repressiv gegen Blockierer_innen und Linksaktivist_innen vor. Damit verhinderte die Berliner Polizei, dass der Naziaufmarsch schon am S-Bahnhof Bornholmer Straße gestoppt werden konnte.

Die Strategie, mit zivilen Ungehorsam, Massenblockaden, einem gemeinsamen Aktionskonsens bürgerlicher und linksradikaler Gruppen sowie Einzelpersonen, die sich über die Bündnisgrenzen hinaus solidarisch verhalten, Naziaufmärsche zu stoppen, ist derzeit ein Erfolgsrezept: Dresdener und Berliner Verhältnisse muss es künftig überall geben.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0