Archiv der Kategorie 'Gender & LGBATTIQ* & Feminismus'

Mädchenmannschaft: Weiblich, Männlich, Lücke

Ich bin heute mit einem Gastartikel auf Mädchenmannschaft.net vertreten:

„Weiblich, Männlich, Lücke – Das neue Gesetz schadet vor allem Intersexen”
Plötzlich war ganz schön was los! Deutsche und internationale Medien berichteten Mitte August über das Personenstandsrechts-Änderungsgesetz als eine Geschlechterrevolution. Ab November gilt es: künftig wird in der Geburtsurkunde neben „männlich“ und „weiblich“ auch „ “ (nichts) eingetragen werden. Die Regelung wurde für Intersex-Kinder geschaffen. Was nach Befreiung klingt, alarmierte Menschenrechtsgruppen wie Intersexuelle Menschen e.V., IVIM-OII oder Zwischengeschlecht.org.
Der …
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Transphopedia gegen Chelsea Manning

Es ist ja unlängst bekannt. Chelsea Manning hat verkündet, künftig mit Vornamen Chelsea zu heißen und nun auch öffentlich Frau zu sein. Sie war bekannt geworden als Whistleblowerin. Dass Manning trans* ist, wissen wir schon eine ganze Weile. Hier nochmal ihre genauen Worte dieser Tage:

Ich bin Chelsea Manning. Ich bin eine Frau.

Gut machen wir, nennen sie Chelsea mit Vornamen und referenzieren mit den femininen Pronomina, alles geklärt.

Nicht für die deutschsprachige Wikipedia. Dort tobt eine Editier- und Diskussionsschlacht um den Artikel, zahlreiche transphobe Autor*innen wollen verhindern, dass der Artikel an den neuen Namen angepasst wird. Das Blog Femgeeks hat darauf bereits hingewiesen. Einige Stilblüten aus dem Artikel, die die offenbare VerwirrungIgnoranz einiger zeigt:

Bradley Edward Manning ist ein US-amerikanischer IT-Spezialist und ehemaliger Angehöriger der US-Streitkräfte. (…) Manning ließ am 22. August 2013 über seinen Anwalt verlautbaren, er fühle sich seit seiner Kindheit als Frau.

Während Manning in seinem Privatleben offen homosexuell lebt, verheimlichte er bei seinem Arbeitgeber seine sexuelle Orientierung.

Am 22. August 2013 erklärte Manning in einem Statement mit dem Betreff „The Next Stage of My Life“, er fühle sich seit seiner Kindheit als Frau, wolle künftig Chelsea E. Manning heißen und mit weiblichen Pronomen bezeichnet werden.

Nein, nein, nein, nein, das ist ja gar nicht transphob, werden einige jetzt meinen. Doch ist es:

Transphobie nennt man die Ablehnung von Trans* und_oder von für Trans* gehaltenen Menschen auf Grund von Hass, Angst, Ekel, Vorurteilen u.a., die sich in Form von verbaler Aggression, Infragestellung oder Aberkennung der Geschlechtsidentität, körperlicher und psychischer Gewalt, Pathologisierung, sprachlicher Unsichtbarmachung, Kriminalisierung u.a. zeigen kann.

(Definition der Menschenrechtsorganisation TransInterQueer)

Der Wikipedia-Community reicht das nicht. Einen Schlagabtausch liefern sich transfreundliche und transphobe Nutzer_innen auf der Diskussionsseite. Die heftigsten Kommentare werden vielfach anonym verfasst., aber nicht alle verstecken ihre Abneigung. Hier ein paar transphobe Deeplights (zum Teil aus dem Kontext gerissen, aber nicht entstellend):

Ein Hugo kann sich nicht einfach so als Hugoline bezeichnen, d.h. im Rechtsverkehr und so. --77.4.77.125 15:42, 22. Aug. 2013 (CEST)

Wie sähe es denn aus wenn er sagen wir mal namenlos seien wollen würde ? Oder geschlechtslos ? (…) Also, solange er das ganze irgendwo offiziell macht, sollten wir uns doch beim alten bleiben. --91.66.133.239 16:17, 22. Aug. 2013 (CEST)

Wir würden ja auch nicht schreiben er wäre ein Pilot wenn er sagen würde „ich bin ein Pilot“, denn dafür muss man eben offiziell anerkannt werden (als Pilot). Ich glaube es wäre nur Konsequent, wenn wir selbige Regel auch für das Geschlecht und den Namen übernehmen würden. --91.66.133.239 16:38, 22. Aug. 2013 (CEST)

Was ist denn er fühle sich als Frau und wolle künftig Chelsea heißen überhaupt für ein Outing? Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich im patriotischen Amerika als Militärgeheimnisverräter auch nicht in einem Männergefängnis einsitzen wollen. Ich hoffe, dass ein Gutachten Licht in die Sache bringt, bevor der bzw. die Gute sich noch zwanzig andere Frauennamen ausdenkt, die ihm bzw. ihr gefallen, und der Artikel über ihn bzw. sie jedes Mal verschoben wird. --Gyoergi 19:29, 22. Aug. 2013 (CEST)

Biologisch ist Bradley-Chelsea wohl allem Geühlsgedusel zum trotz wohl eh noch ein Mann. — 91.32.5.130 21:38, 22. Aug. 2013 (CEST))

jedenfalls fehlt mir das verständnis [sic!] dafür, warum eine enzyklopädie [sic!] sich dem namens- und geschlechtsänderungs-ansinnen [sic!] eines menschen [sic!] beugen muss? das [sic!] wirkt so an den haaren [sic!] herbeigezogen, dass es mir widerstrebt, beispiele [sic!] zu finden, die diese absurdität [sic!] deutlich machen. ich [sic!] weise am rande auf WP-konventionen [sic!] hin, die den namen [sic!] im pass [sic!] zugrunde legen. und warte mit spannung [sic!], bis hier wieder alle sinne [sic!] zusammen sind. über [sic!] chelsea [sic!] können wir dann in ein paar jahren [sic!] weitersprechen [sic!], wenn selbige eingetreten ist. --Maximilian Schönherr 23:52, 22. Aug. 2013 (CEST)

Hau-die-Chelsea geht weiter: Nutzer*in SFfmL hat angemeldete Nutzer_innen dazu aufgefordert worden, über Chelseas Namen abzustimmen. Da geht das Spielchen auch gleich weiter:

Demzufolge wäre es logisch, bis zur offiziellen Namensänderung Bradley zu sagen UND „sie“. --N3MO 21:31, 22. Aug. 2013 (CEST)

Wer sagt denn, dass Chelsea überhaupt fix ist? Manning könnte übermorgen bekanntgeben, dass der Vorname nun Britney lautet und nächste Woche Tiffany. --Voyager 22:17, 22. Aug. 2013 (CEST)

Letztens hieß er ja angeblich noch Breanna. --77.186.8.191 22:24, 22. Aug. 2013 (CEST)

Sabrina täte ich noch süß finden würden. --178.193.67.203 22:27, 22. Aug. 2013 (CEST)

Loretta wäre toll. --Jack User 22:34, 22. Aug. 2013 (CEST)

Vielleicht fühlt er bzw. sie sich nach weiterer Folter durch das US-Militär bald wie ein räudiger Köter und möchte Hasso genannt werden? :( --Gyoergi 23:39, 22. Aug. 2013 (CEST)

Klasse, was die deutschsprachige Wikipedia alles so kann, zum Beispiel mal eben klären, wie eine Person jetzt heißt. Per Abstimmung. Sie steht zurzeit mit 11 zu 30 gegen Chelsea.
Selbstverständlich ist das keine Transphobie, nein, nein, nein, nein, ganz bestimmt nicht (siehe oben). Worst-of der Abstreitungsversuche:

Aber ich sehe schon, dass ich ja nur „transfeindlich“ wäre und, dass meine Argumente vollkommen absurd wären. --91.66.133.239 16:17, 22. Aug. 2013 (CEST)

Niemand will Manning hier in irgendwelchen Menschenrechten beschneiden oder reprimieren. Wie könnten wir das auch? --77.186.8.191 19:20, 22. Aug. 2013 (CEST)

Mir [ist] auch [schlecht], aber von der anderen Seite her. Warum müssen aus sinnvollen Anti-Diskriminierungsbewegungen Ideologien hervorgehen, die auf aggressive Weise das Denken aller umerziehen wollen? --95.113.234.181 14:31, 23. Aug. 2013 (CEST)

Ich würde es nicht gleich so drastisch sehen, wir entscheiden hier ja nicht über den Namen der Person an sich sondern nur, welches Lemma wir benutzen. --Inkowik 13:27, 23. Aug. 2013 (CEST)

Hör mal bitte auf hier rumzubrüllen. --Tönjes 11:25, 23. Aug. 2013 (CEST)

Also offenbar wird hier erwartet, dass Mannings Anwaltsteam einen amtlichen Beleg einreicht: dass Chelsea Manning nicht nur sagt, mit einem anderen Namen genannt zu werden, sondern das auch tatsächlich will; dass sie garantiert nie, nie, nie wieder, nein niemals mehr ihren Namen zu ändern; dass sie im Männergefängnis bleibt; dass ein neuer Pass vorliegt; dass sie nicht sagt, sie sei Pilotin, nein, bitte nicht! Und mensch erwartet ganz klar: bitte nennt uns dann aber bitte, bitte nicht transphob, und vor allen Dingen nicht so laut. Ne, is klar.

TransInterQueer hat übrigens auch einen Formulierungs-Leitfaden für Journalist_innen herausgegeben, auch für alle die es nicht lesen wollen. In der englischsprachigen Wikipedia ist es übrigens viel einfacher: die Crowd änderte das Lemma in Chelsea Manning, sogar einen extra Artikel über die Berichterstattung über die Geschlechtidentität Chelsea Mannings haben sie angelegt. [Update: Die englische Wikipedia ist wieder zurückgekehrt zum ursprünglichen Lemma, auch wenn weniger unerbittlich. Es bleiben aber z.B. die bulgarische, die dänische, die niederländische, die serbische und türkische Ausgabe.] Sie sind nicht allein: auch AP und New York Times können es und viele mehr.

In der deutschsprachigen Wikipedia ist auch nicht alles doof in dieser Hinsicht. Tatsächlich engagieren sich dort auch Zahlreiche gegen Transphobie, was erfreulich ist. Das meiste ist leider bäh. Menschenrechte bleiben unverhandelbar.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

Ein bisschen viel gerade.

Ich habe gesehen. Habe die Freiheit gesehen. Mich eine Woche wohl gefühlt. Kurt Löwenstein. Behütet. Rückzugsraum. Dass ich richtig bin. Es ist möglich. Nicht nach meinen Fehlern suchen muss. Ist möglich in meinen Zusammenhängen. Wir können international gemeinsam kämpfen. Für eine bessere Welt. Zu viel Theorie. Für eine freie und queere Ordnung. Keine praktische Bedeutung. Du hast mich im Stich gelassen. Du sollst dich anders verhalten. Du bist nicht queer genug. Trägst keine Schuld. Will dich nicht mehr sehen. Du bist zu queer. Nicht trans genug. Nicht trans genug um trans zu sein. Es doch. Das ist nur Wohlfühlkram. Mir zu theoretisch. Du sollst das nicht tun. Eine Frau und ein Hurensohn. Du kleidest dich so unkonventionell. Du hast mich im Stich gelassen. In meiner Religion existierst du gar nicht. Berlin. Du bist es doch. Danke für den Glitzer. Fürs Kümmern. Will dich nicht mehr sehen. Gut, dass du da bist. Da draußen war er nicht. Bei uns war ein Safe-space. Dortmund. Aber was sollen wir denn sonst noch tun. Sie haben mehr Dezibel als ich. Hast denen ein tolles Erlebnis genommen. Undemokratisch. Zum Nachdenken gebracht. Kein Essen heute Abend. Cuddles. Wo bist. Genug Alkohol für heute. Mit Freiheit umgehen. Zum Nachdenken gebracht. Hab da sofort eingegriffen. Feiern sich ab. Singen, sie erstechen ein paar Transpersonen. Peace statt Mittelfinger. Singen von Ko-Tropfen im Wein. Drei Finger statt zwei. Singen antisemitisch. Bonbons. Ergibt keinen Sinn. Hätte ich das vorher gewusst. Warum eingeladen. Ich selbst war nicht klar. Nicht klar für Ausladen. Wer ist das denn? Von nichts gewusst. Denen ein tolles Erlebnis genommen. Von nichts ‘ne Ahnung. Mehr Dezibel als wir. Da flogen Flaschen unbemerkt. Ich habe die Freiheit gesehen. Ist möglich in unseren Zusammenhängen. Für eine freie und queere Ordnung. Alles ins Chaos. Telefonieren. Jetzt guten Überblick. Gewissensentscheidung. Danke für deine Solidarität. Das ist mir zu theoretisch. Warum hörst du mich erst. Hätte ich das gewusst. Hörst mich erst, wenn ich auf einem Tisch stehe. Hätte ich das gewusst. Ich war nicht für Ausladen. Ich habe gesehen. Habe die Enge gesehen. Nicht möglich in meinen Zusammenhängen. Bei uns war es gut. Immer was los. Alle wohlgefühlt. Das ist nur Wohlfühlkram. In meiner Religion existierst du nicht. Du kleidest dich so unkonventionell. Ich habe das auch erlebt. Sowas macht man nicht. Du hättest nicht rennen sollen. Was hätte passieren können. Ich hatte Angst. Ich habe heute doch keine Zeit. Ich habe Nein gesagt. Konsens. Ich habe wieder Ja gesagt. Konsens. Inkonsequent zu mir. Es ist möglich hier bei uns. Habe die Freiheit gesehen.

Glitzerbuntschön.

::: Dieses Blogpost beschreibt sexualisierte und emotionale Gewalterfahrung(en).

::: Der Text erschien schonmal kurz gestern und ich haben ihn heute ohne inhaltliche Änderung neu gepostet.

Vor ein paar Tagen wurde ich auf der Straße geschlagen, weil ich mich gegen Sexismus geäußert habe. Jetzt frage ich mich, ob es auch passiert wäre, hätte ich statt zum Rock zur Hose gegriffen.
Mir wurde ins Gesicht geschlagen. Abends und mein Auge und meine Augenbraue sind noch leicht angeschwollen. In ein paar Tagen, wird der Bluterguss verheilt sein, der Schmerz bleibt. Er war einer von den Sexist_innen (meist: Sexisten), die ihre Gewalt auf der Straße ausüben, in den Wohnzimmern, in der U-Bahn. Er war einer von denen, wegen denen es jetzt den #Aufschrei gibt. Wir hatten uns vorher nie gesehen, trafen uns zufällig. Er kam meiner Begleitung und mir entgegen und ging nicht mehr aus dem Weg, mackerte uns auf sexualisierte Weise an. Der Aufforderung, das zu unterlassen, kam er nicht nach, dabei waren wir entschieden und deutlich. Er wurde auch körperlich aggressiv, schlug zu, trat zu, nahm und haute ab.

Der Rock in mir und der Rock an mir

Auch wenn viele behaupten, in meinem Kiez sei es besonders schlimm, hatte ich nie ein Problem, vielleicht Glück gehabt. Ich trug wohl die richtige Kleidung, die manchmal mir die falsche war: Hosen. Seit einem knappen dreiviertel Jahr ist das anders. Wenn ich Jeansrock trage, fühle ich mich freier, bin ich mehr ich. Es steht mir. Endlich. Blicke machen mir wenig aus, ich kenne sie schon seit Jahren. Manchmal tun sie weh, wenn sie sich abwenden. Ich weiß nicht, ob das Kichern und Tuscheln über mich geht, es scheint mir von Zeit zu Zeit so. Das Angepöbeltwerden empfinde ich als Bedrohung. „Du bist pervers“, sagte der Cis-Sexist zu mir, weil er es konnte, „die Bilder von dir gehen mir nicht mehr aus dem Kopf.“ – „Trag’ auch Highheels, Transe“, rief mir die Cis-Sexistin zu.
Vor ein paar Tagen war ich nun lediglich eingeschritten, ich hatte eine sexistische Handlung als nicht akzeptabel bezeichnet, wurde deswegen ins Gesicht geschlagen. Und ich bin sicher, dass es nicht passiert wäre, wäre ich geschlechtlich normativ gekleidet gewesen. Vielleicht wären wir als „zwei normative Menschen zu zweit auf der Straße“ wahrgenommen worden, cis- und heterosexistische Kackscheiße dann mit Fehlanzeige, wenn auch dasselbe Programm. Vielleicht hätte der Angreifer mich respektiert, mich, einen* vermeintlich ihm Gleichen*, er wäre einfach stehen geblieben. Ich will nicht so von ihm angesehen werden, weil da nichts Gleiches ist. Und eigentlich kann die individuelle Kleidung anderen ja egal sein. Aber menschlicher Respekt mir gegenüber ist weg, wenn die cis-richtige Kleidung weg ist. Der cis-falsche Look ist eine herzliche Einladung für psychische und physische Gewaltausübung, gegen mich und diejenigen, die mit mir unterwegs sind. Meine Welt ist glitzerbuntschön und sie ist ein Gesundheitsrisiko.
Diese Welt, in der ich mir diese Fragen stelle, ist scheiße. Dass ich mir diese Fragen stelle, ist scheiße. Dass ich bei mir eine Schuld suche, ist scheiße. Nein, ich bin an nichts schuld, ich weiß das auch. Nein, meine Erfahrungen sind nicht nur mir geschehen, sie sind tausendmal passiert, ich bin nicht allein. Noch viel mehr als tausend sind nicht mit einem blassblauen Auge davon gekommen. Aber ich stelle mir diese Fragen trotzdem, vielleicht weil mir diese Fragen gestellt werden, von irgendswo da draußen. Oder weil ich den Eindruck habe, sie beantworten zu müssen.

Was dieser Text nicht kann

Übrigens, nur weil dieser Text vor allem eine persönliche Sicht der Dinge schildert, ist diese Sicht nicht vereinzelt, noch ist sie verallgemeinernd: Dieser Text behauptet nämlich nicht, dass hier derselbe Sexismus vorherrscht, von dem Frauen* betroffen sind, wie ihn der #Aufschrei zigtausendmal zeigte (und der ja auch nicht in sich geschlossen derselbe ist). Aber es ist Sexismus, dem sich nicht entzogen werden kann, auch wenn Mann*-zu-?-Gender sicherlich nicht dieselben Diskriminierungserfahrungen mach(t)en wie Heterafrauen. (Mann*-zu-?-Gendern kann mit dem Ablegen der eigenen Persönlichkeit zunächst sogar die Priviligierung von Männern* zuteil werden, was ein Widerspruch in sich ist. Denn diese „Teilhabe“ setzt cis-hetero-affirmative Selbstverleugnung voraus – ebenso eine Diskriminierungserfahrung.) Dasselbe Patriarchat setzt also nicht dieselbe Diskriminierungserfahrung damit voraus. Ebenso wenig vergleichbar ist die geschilderte Erfahrung mit der Ich-gucke-mir-das-erschüttert-von-außen-an-Betroffenheit von Männern*, wie sie in den letzten Tagen im #Aufschrei auftrat, die weder mit der einen Sache, noch mit der anderen etwas zu tun hat. Von noch einer Sache handelt dieser Text nicht: von der Sicht meiner Begleitung auf unser gemeinsames Erlebnis, das sicherlich unterschiedlich wahrgenommen wurde, weil ich nicht für die Person spreche(n kann und will). Es geht auch nicht um Antworten, nicht um andere. Es geht um mich und meine Fragen.

Die Angst bleibt

Und nein, ich will und werde mich nicht den Blicken, Worten und Schlägen beugen und möchte, was mich ausdrückt, tragen. Aber die Angst bleibt, dass es wieder geschieht. Ich will bloß frei sein.