KAS-Studie zu den linksextremen Kids: „Utopische Flausen“

Eine Linksextremismusstudie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt auf, wie Jugendliche (teilweise misanthropisch eingestellt) vor Extremismus geschützt werden können. Die Studie „Linksextremismus in Deutschland. Wirkung und Erscheinungsbild auf Jugendliche“ (2012) wurde von Viola Neu verfasst, Leiterin des KAS-Teams für empirische Sozialforschung. Sie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder gefördert, dessen Chefin Kristina Schröder ist. Der Anlass zur Studie war offenbar ein Kotzreflex seitens Viola Neu, als sie bei Gero Neugebauer lesen musste:

Die Wissenschaft folgt auch nicht der Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus. Zum einen, weil keine Identitäten behauptet werden sollen und zum anderen, weil Rechtsextremismus ein eigener und Linksextremismus kein eigener Forschungsgegenstand ist.
Neugebauer, Gero 2010: Einfach war gestern. Zur Strukturierung der politischen Realität in einer modernen Gesellschaft, in: bpb (Hg.) Aus Politik und Zeitgeschichte, Jg. 57., H. 44/2010, S. 6.

Das Forschungsdesign ist bereits zweifelhaft. Konzipiert ist die Studie als Pretest, eine repräsentative Befragung soll noch folgen. Obwohl es in der Einleitung heißt, verschiedene Extremismen würden in der Studie nicht gleichgesetzt, überträgt die Autorin wahllos Theorien, die für rechtsradikale Phänomene entwickelt wurden. Ein Beispiel hierfür ist die Zweibeltheorie von Dieter Rucht aus dem Jahr 1994. Die Auswahl der Teilnehmenden soll sich bereits als schwieirg gestaltet haben, da eine große Skepsis gegenüber der Studie bestand. Die Teilnehmenden wurde nach Schemata des Verfassungsschutzes ausgewählt, nach denen gescreent wurde. Sie stammen aus Berlin, Dresden, Hamburg, Köln, Nürnberg und Rostock. Warum gerade diese Städte ausgewählt wurden, erläutert die Studie nicht, möglicherweise ist es Zufall. Zudem verweigerten einige Teilnehmende Videoaufzeichnungen, was die Studie wohl erschwert hat. Insgesamt fanden in der qualitiativen Sozialstudie 35 Interviews statt. Die Teilnehmenden sollten dabei assoziativ Bilder oder Aussagen bewerten.

Das Ergebnis ist durchaus diffus, bei Prestests (soweit in Ordnung) und bei unsorgfältiger Auswahl allerdings nicht ungewöhnlich. Die Studie empfielt zum Schluss, um Linksextremismus präventiv zu verhindern verschiedene Vorschläge, eine Auswahl: Jungen Menschen müssen soziale Kompetenzen vermittelt werden. Sie benötigen Empathietrainings. Mensch solle ihnen Leitbilder wie „wehrhafte Demokratie“, „Pluralismus“ oder „Menschenrechte“ vermitteln. Keine Antwort findet die Studie, was getan werden kann, um den Kids die utopischen Flausen auszutreiben. Alles in allem beantwortet die Studie nicht die Frage, warum gegen so genannte linksextreme Einstellungen überhaupt etwas getan werden soll. Dies ist offensichtlich normativ vorausgesetzt. Vielleicht hätte der Autorin die Lektüre Gero Neugebauers doch geholfen?

Achso, echten LinksextremistInnen ist die Autorin der Studie bei ihrer Frage nicht begegnet. Leider traf sie nur verunsicherte Jugendliche mit wenig Selbstwertgefühl. Der Pretest hat also nichts Neues geliefert. Außer dass das konservative Extremismusdogma eben nicht immer ganz auf konkrete Menschen anwendbar ist.

Fazit: Schade, wie phantasielos die Konservativen sind.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0


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