Springer lügt wie gepostet

Die Berliner Morgenpost Online bebildert heute einen Artikel über die Demonstration gegen die Räumung des Hausprojekts Liebigstr. 1434 am 29. Januar 2011 in Berlin:

Foto zeigt Menschen in schwarzer Kleidung mit angeblichen Schlagstöcken, die aber aus Styropor sind
Das Bild wurde untertitelt mit „Einige Unterstützer der Hausbesetzer waren mit Schlagstöcken bewaffnet“.

Daran ist alles falsch.

Foto nicht auf Demonstrationsroute entstanden

Das Foto ist am Rosenthaler Platz in Richtung Nordosten geschossen worden. Dies zeigt das Haus im Hintergrund (Weinbergsweg, Ecke Torstraße). Das Haus rechts trägt die Aufschrift „Obenholz“. Das „Obenholz“ ist ein Café am Rosenthaler Platz (Torstraße, Ecke Rosenthaler Straße). Die von der Morgenpost beschriebene Demonstration für die Liebigstraße lief jedoch vom Kottbusser Tor über die Warschauer Brücke zur Rigaer Straße. Offensichtlich handelt es sich um ein Foto der Demonstration gegen Polizeigewalt am 28. Januar 2011 (oder um ein viel älteres Foto). Diese begann auch am Rosenthaler Platz. Sie zog Richtung Brandenburger Tor.

Es handelte sich also nicht um eine Aktion für die Liebigstraße 14. Sehr wahrscheinlich ging die Aktion gegen Polizeigewalt.

Gummi- oder Watteknüppel?

Das Material der vermeintlichen Schlagstöcke ist nicht besonders stabil. Bei der Person rechts im Bild ist der Schlagstock unten abgeknickt. Es scheint sich um ein eher instabiles, biegbares oder brechbares Material zu handeln. Außerdem wurden die Stäbe umwickelt mit Plastik- oder Klebeband. Dies zeigen die Linien auf demselben abgeknickten „Schlagstock“. Auch die Abteilungen auf dem „Schlagstock“ in der Mitte zeigen dies. Die Lichtreflektionen unterstützen diese These.

Es war also keine Bewaffnung zu sehen.

Pseudo-Ausrüstung ist kein Gewaltoutfit

Die einheitliche blaue Kopfbedeckung könnte eine Ironie auf Polizeihelme sein. Sie sehen zumindest nicht besonders gefährlich und stabil aus. Auch die Kreuze auf der Brust scheinen eine Satire auf Polizeisterne sein. Die Kriegsbemalung aus drei Strichen im Gesicht wirkt auch eher ironisch als gefährlich.

Vermutlich hat mensch im Axel-Springer-Haus dies einfach nicht verstanden.

Die Berliner Morgenpost würde gut daran tun, das Bild aus dem Artikel auszubinden und auch die Bilduterschrift zu löschen.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0
Foto: Glanze
thx@E. für den Hinweis!


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