Sexistische Schmierenkampagne gegen Thomas Krüger

Thomas Krüger hielt auf dem Kongress „Das flexible Geschlecht. Gender, Glück und Krisenzeiten in der globalen Ökonomie“ die Eröffnungsrede. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung beschrieb darin die Geschichte geschlechtlicher Diskriminierung, die Geschichte der Frauenbewegung, aufbrechende Rollenbilder und aktuelle „Baustellen“ wie Trans- oder Intersexuellenrechte. Er äußerte sich in diesem Zusammenhang folgerichtig auch zu Clara Zetkin und Rosa Luxemburg sowie zur Frauenpolitik der DDR. Das war Ende Oktober.

Dies passte der konservativen Rechten so ganz und gar nicht in den Kram: Das Forum Deutscher Katholiken, Tummelplatz erzkonservativer, fortschrittsfeindlicher Katholik_inn_en, forderte am 9. November dann gleich Krügers Rücktritt: „Sollen jetzt von Deutschland Theorien ausgehen, die das Wesen des Menschen zerstören, der seiner seiner Natur gemäß unverwechselbar Mann oder Frau ist?“

Alois Glück (CSU), Vorsitzender des Zentralkommittees der Katholoischen Kirche, sagte klipp und klar: „Ich teile sein Thesen nicht.“ Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis, MdB, wirrte, die Gleichberechtigung von Mann und Frau sei richtig, aber dürfe keine Ideologie sein. Thomas Goppel, MdL und Sprecher der ChristSozialen Katholiken, verglich Krügers Rede gar mit der Jenningerrede zum 50. Jahrestag der Reichskristallnacht, die ja sofort zum Rücktritt Jenningers geführt habe. Die Abtreibungsgegner von Christdemokraten für das Leben forderten seine Absetzung, damit er nicht mehr „auf Kosten und zu Lasten des Steuerzahlers“ falle. Die Engagierten Christen in der CDU forderten zwei Tage später Gleiches: „Wer so einen blühenden Unsinn zu Lebensrechtfragen und der Wertschätzung der Familie von sich gibt, sollte eine mehrjährige Auszeit zum Nachdenken nutzen“, hetzte ihr Sprecher Martin Lohmann. Die brandenburgische CDU-Faktionsvorsitzende Saskia Ludwig nannte Krüger einen sozialutopischen Träumer: „Daß der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung die sozialistische Geschlechterpolitik lobt und über linke Feministinnen philosophiert, ist fragwürdig. Diese unkritische und einseitige Sichtweise wird der Bedeutung dieses wichtigen Amtes nicht gerecht.“ Der stellvertrende Fraktionsvorsitzende der CDU im hessischen Landtag, Hans-Jürgen Irmer, reizte, Thomas Krüger sei seiner Aufgabenicht mehr gewachsen.

Kein Wunder, dass die B-Promis der CDU/CSU und die Katholische Kirche ausgerechnet die neurechte Wochenszeitung Junge Freiheit als Kommunikationskanal nutzten, die daraus eine mehrwöchige Kampagne gegen Thomas Krüger machte. Gewirkt hat das alles nicht: Lediglich das rechte Vertriebenenblatt Preußische Allgemeine Zeitung und zwei katholische Webportale sprangen auf den Zug auf. Thomas Krüger ist immer noch Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung.

Das erfreuliche an der Schmierenkampagne ist die Erkenntnis, dass die rechtskonservative Reaktion in Deutschland in einem desolaten Zustand ist und noch so viel ätzen und stänkern ihnen nichts hilft.

Thomas Krüger hat alles richtig gemacht.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0
thx@D. für den Hinweis!


4 Antworten auf „Sexistische Schmierenkampagne gegen Thomas Krüger“


  1. 1 gendalus 28. November 2010 um 20:52 Uhr

    Schön, dass sich auch der Herr Irmer meldet. Irmer der auch gern bei der (Nazi-)Burschenschaft Dresdensia Ruiga referiert (aus deren Reihen einige NPD-Leute aus Sachsen kommen) ist doch genau der richtige sich über die Tauglichkeit von irgendjemanden zu urteilen…
    Aber die Zusammensetzung der Leute die sich da beschweren ist ja schon interessant.

  2. 2 Entdinglichung 29. November 2010 um 15:08 Uhr

    nicht das erste Mal, dass Krüger von der CDU-ObskurantInnen-Fraktion angegriffen wird

  1. 1 Katholische Rechte gegen Thomas Krüger « mädchenblog Pingback am 30. November 2010 um 22:22 Uhr
  2. 2 Das Wesen des Menschen « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! Pingback am 01. Dezember 2010 um 11:47 Uhr

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