Archiv für Juli 2010

Langweilige, alte Welt: Eva Herman has a dream

Eva Hermans jüngste Entgleisung jüngster kalkulierter Angriff auf eine liberalisierte Gesellschaft war eine konservative Frechheit. Einige Auszüge aus ihrem Artikel zur Loveparade-Tragödie Pamphlet gegen die Loveparade auf dem rechtskonservativen Portal Kopp Online:

Dieses „friedliche Fest fröhlicher junger Menschen“ ist in Wahrheit eine riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie.

Sie wussten, was sie erwartet, haben sich freiwillig dazu entschieden, hierher zu kommen.

Die unheilvollen Auswüchse der Jetztzeit sind (…) vor allem das Ergebnis der Achtundsechziger.

Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.

Genau, Gott hat mal eben eingegriffen, 19 Ungläubige getötet und die Loveparade beendet. → Konservativer Zynismus vom Allerfeinsten!

Weil das nicht genug war, die Kritik Welle der Empörung ihr nicht ausreichte, hat Eva Herman dann heute noch einen draufgesetzt. Zunächst wiederholt sie in ihrem zweiten Artikel ihre (ewig) gestrigen Aussagen, dann klagt sie:

Mein Herz ist schwer, wenn ich die vielen Fehlentwicklungen mit ansehen muss, die heutzutage bereits als völlig normal gelten. Jeder, der es noch wagt, dagegen zu sprechen, wird als Ewiggestriger oder als Störenfried der Gesellschaft bezeichnet.

Wer meinen Weg und meine Bücher kennt, der weiß, dass ich seit Jahren für meine Äußerungen angegriffen werde. Doch es macht mir mittlerweile nicht mehr so viel aus.

Und dann malt sie ihren persönlichen I-have-a-dream aus. Den, für den sie kämpft.

  • glückliche Menschen
  • keinerlei Drogen
  • keine Errungenschaften der sexuellen Revolution

Sie wünscht sich stattdessen alte Werte zurück aus den guten 1960er Jahren, als Mutter noch am Herd stand, sich um Kind und Kirche kümmerte und Vater das Wirtschaftswunder schuf:

  • Verlässlichkeit, Verantwortung, gegenseitiger Respekt (gibt’s laut Eva Herman alles gerade nicht)
  • Politiker_innen lügen nicht
  • Nächstenliebe und
  • Eva Herman will verbreiten können was sie denkt, ohne groß kritisiert zu werden

… alles in allem also eine biedere, konservative, fortschrittsfeindliche Gesellschaft ohne jede Form vom Spaß. Eine Gesellschaft ohne Technoparaden.

Ich will in Eva Hermans Welt nicht leben müssen.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

Berlin – Kreis Schwaben

Kürzlich an der Warschauer Brücke fotografiert:

Berlin - Kreis Schwaben

Foto & Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0