Archiv für Januar 2010

So bin ich zu erreichen

Falls es mal nötig ist…
E-mail: Adresse, Public PGP Key, PGP Fingerabdruck.

Internet Explorer nicht mehr nutzen!

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte heute in einer Pressemitteilung vor der weiteren Nutzung des Internet Explorers (IE). Die IE-Versionen 6, 7 und 8, das heißt auch die aktuelle, enthalten demnach eine gefährliche Sicherheitslücke die Angriffe auf den eigenen Computer ermöglicht.

Bis der Fehler behoben ist, empfiehlt das BSI, andere Browser zu nutzen, beispielsweise Mozilla Firefox. Auch darüber hinaus kann es allerdings ratsam sein, nicht zum Internet Explorer zurückzukehren, wozu das BSI sich jedoch bislang nicht äußerte. Der Internet Explorer zählt zu den eher sicherheitsproblematischen Browsern. Daher ist eine Rückkehr nicht zu empfehlen.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

Alter aus Geburtsdatum berechnen per Tabellenkalkulation

Um ein Datum in eine Anzahl an vergangenen Jahren umzurechnen bedarf es nur weniger Schritte mit Open Office Calc oder Excel. (Als Grundlage nehme ich Open Office. In Excel dürfte es jedoch keine Unterschiede geben.) Schlaue Menschen nehmen zwar lieber ihre zehn Finger und zählen ab oder beherrschen sogar das Kopfrechnen. Ich möchte hier trotzdem eine tabellenkalkulatorische Lösungen präsentieren, weil ich sie gerade selbst gesucht und dann auch gefunden habe. Praktisch kann so etwas beispielsweise sein, wenn mensch einen Serienbrief erstellen möchte und nicht abzählen möchte.

Ich habe hier folgende Beispieltabelle erstellt, die als Rohdaten einen Namen und ein Geburtsdatum („geb.“) enthält:

Der Name dient nur der Illustration. Alle weiteren Daten („Alter genau“; „Alter“; „Lebensjahr“; „Jünger als 27?“) werden mit Formeln aus dem Gebursdatum errechnet.

Schritt 1: Das genaue Alter
Hierfür bietet Open Office Calc (und auch Excel; das spare ich mir aber hier jeweils zu nennen) die Funktion „BRTEILJAHRE“. Diese berechnet die Differenz zwischen zwei Jahresdaten als Bruchteil von Jahren. Das erste Datum muss älter als das zweite sein. Außerdem kann noch eine so genannte „Basis“ angegeben werden, einen Zahlencode, der die Werte 0; 1; 2; 3; 4 annehmen kann, was im OpenOffice.org-Wiki näher erläutert wird. (Wird die Basis weggelassen wie in diesem Beispiel oder der Wert auf „0″ gesetzt, findet die Berechnung mit 30 Tage langen Monaten statt, für eine genaue Berechnung muss der Basis-Wert „1″ eingegeben werden.)

=BRTEILJAHRE(Ausgangsdatum;Enddatum;Basis) oder vereinfacht
=BRTEILJAHRE(Ausgangsdatum;Enddatum)

Um Paul Pudels Alter heute auszurechnen, müsste also in eine Zelle geschrieben werden:

=BRTEILJAHRE(12.09.1995;05.01.2010)

Als Ergebnis wird der Wert 14,314 (Jahre) ausgegeben. Da mensch das aktuelle Datum ja nicht immer per Hand ändern will, bietet sich hier die Funktion HEUTE an, die ohne Argumente auskommt. Paul Pudels Geburtstag entspricht dem Feld B2. Die Formel lautet dann:

=BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())

Das „$“-Zeichen kann entfallen, ist aber hilfreich, wenn der Feldwert bzw. die Formel in ein anderes Feld kopiert wird. (Spalte B bleibt dann unverändert stehen.) Zur Formatierung sei angemerkt, dass die Zellen der Spalte C mitdem Format-Code 0,000 formatiert wurden (Menü > Format > Zellen).

Schritt 2: Das Alter in ganzen Jahren
Hierzu muss das genaue Alter abgerundet werden. Die Funktion hierzu heißt ABRUNDEN. Es gibt zwei Möglichkeiten:

=ABRUNDEN($C2) und
=ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())

Die erste (kurze) Variante rundet „Alter genau“ ab, die zweite Variante berechnet den Wert selbst bzw. neu.

Schritt 3: Das Lebensjahr
Hierfür muss zum vorherigen Schritt 1 als SUMME addiert werden.

=SUMME($D2+1) und
=SUMME(ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())+1)

Um hinter der ausgegebenen Zahl (In E1 wird „15“ ausgegeben.) noch einen Punkt zu setzen, wird unter Menü > Format > Zellen der Format-Code 0"." angegeben.

Schritt 4: Umwandlung in Text
Als Beispiel, um die Ergebnisse in einen aussagekrräftigen Text umzuwandeln, wurde hier die Frage gewählt, ob die entsprechenden Personen jünger als 27 Jahre alt sind. Hier ist die Wenn-Dann-Sonst-Schleife WENN hilfreich: „Prüfe, ob die Person jünger als 27 ist und wenn ja, gib aus: ‚jünger‘, ansonsten gib aus ‚ZU ALT‘.“ Die WENN-Formel sieht allgemein so aus:

=WENN(Prüfung;Dann;Sonst)

Es bieten sich wieder verschiedene Möglichkeiten der Berechnung:

=WENN($D2<27;"jünger";"ZU ALT") und
=WENN(ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE()))<27;"jünger";"ZU ALT")

weiterer Schritt: Abgleich meherer Fragen
Werden zwei Fragen gestellt, beispielsweise, ob eine Person jünger als 27 Jahre ist und gerne Nudeln ist, muss zunächst eine weitere Spalte G „Nudeln?“ angelegt werden. In dieser Spalte wird immer „ja“ eingetragen, wenn die Person Nudeln mag. Um die Doppelfrage zu beantworten, ist eine verschachtelte Wenn-Dann-Sonst-Schleife nötig. Open Office Calc rechnet nach dem Muster „Prüfe, ob die Person Nudeln mag und wenn „ja“, dann [prüfe, ob die Person jünger als 27 Jahre alt ist und wenn ja, dann gib aus ‚ja‘, sonst gib aus ‚nein‘], sonst gib aus ‚nein‘.“ In Open Office sieht das so aus:

=WENN($G2="ja";WENN($D2<27;"nein";"ja");"nein") und
=WENN($G2="ja";WENN(ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())<27;"nein";"ja");"nein")

Verbesserungsvorschläge und Anregungen sind gern willkommen!

Text und Grafik stehen unter der Creative-Commons-Lizenz by-nc-sa 3.0.

Wer bezahlt die Antideutschen?

In Dr. Seltsams Wochenschau versuchte Jürgen Cain Külbel aufzuzeigen, wer die israelsolidarische Linke in Deutschland finanziert. Dabei nannte er Mossad, CIA sowie den deutschen Staat. Er denunzierte seine Kritiker_innen als Denunziant_innen, bediente zahlreiche antisemitische Klischees und baute einige Verschwörungstheorien auf. Die Veranstaltung war Ernst gemeint.

Der Kabarettist Wolfgang Kröske aka Dr. Seltsam hatte am heutigen Sonntag, den 3. Januar 2010, zu Dr. Seltsams Wochenschau geladen, einer etwa wöchentlichen Informationsveranstaltung. Die Veranstaltung sollte die Frage, wer die Antideutschen bezahle, beantworten. Dazu hatte Kröske den Journalisten und Kriminalisten Jürgen Cain Külbel aka Kain Kübel eingeladen, der „einige überraschende Verbindungen“ aufdecken sollte, auch zum israelischen Geheimdienst Mossad. Bei den so genannten Antideutschen handelt es sich um eine Strömung innerhalb der Linken, die sich insbesondere mit der besonderen deutschen Ausprägung des Nationalismus sowie mit Antisemitismus auseinandersetzt und sich grundsätzlich mit Israel solidarisch erklärt.
Im Berlin-Neuköllner Brauhaus Südstern fanden sich gegen 13 Uhr etwa 50 Zuschauer_innen [Ergänzung: Ein Augenzeuge berichtet von 80 Menschen im Raum.] ein, darunter einige Personen aus dem Umfeld des Internationalen Abends des Schnarup-Thumby in Friedrichshain und der Pro-Intifada-Bewegung sowie der Stifter und Anti-Atom-Aktivist Ulf Mann. [Ergänzung: Außerdem wurde wohl der Kinomacher Andreas Döhler gesehen, der das One-World-Festival mitorganisiert.] Ein Drittel 15-20 der Anwesenden gehörte der israelsolidarischen Linken an.

Broder, Lizarazu, der Mossad und die Schwulen
Wolfgang Kröske sprach zunächst einige einleitende Worte, wobei er zwar den Anti-Antisemitismus antideutscher Gruppen befürwortete, ihnen jedoch unterstellte, dies gegen andere linke Gruppen zu instrumentalisieren, insbesondere um eine „Kriegspolitik“ der israelischen Regierung zu rechtfertigen. Er forderte, antideutsche Gruppen zu verbieten – Wie das gehen soll und durch wen, ließ er allerdings offen. – und gegen sie „Krieg“ zu führen.
Der Referent Külbel behauptete zunächst, antideutsche Gruppierungen, seien bis 2005 kaum vernetzt gewesen. Dies habe sich bei einem durch den Axel-Springer-Konzern unterstützten Blogger_innentreffen in München geändert, das der Publizist Henryk M. Broder geleitet habe. Die Struktur sei seitdem angeblich so beschaffen, das Broder sich regelmäßig eine Person erwähle, die als Antisemit_in denunziert werden solle. Das Blog Lizas Welt würde anschließend Material hierzu aufbereiten und andere israelsolidarische Blogger_innen hierzu „die Drecksarbeit leisten“ würden zur Recherche und Denunziation. Elf Blogger_innen spielten dabei eine herausragende Rolle. Dabei werde die Methode des Google Bombings gezielt genutzt, um die Denunziation zu perfektionieren. Bei den elf Blogger_innen dürfte es sich jedoch eher um einen Teil des Blogrolls in Lizas Welt handeln, der als „Stamm-Elf“ bezeichnet wird: Der Name des Blogs ist eine Hommage an den Fußballspieler Lizarazu. Jürgen Cain Külbel geht jedoch davon aus, dass über die vermeintliche Verbindung Mossad – Henryk M. Broder – Lizas Welt die israelsolidarische Bewegung gesteuert werde. Als Beweis diente hier ein DIN-A4-großes Foto, auf dem Broder und einige mir unbekannte Menschen zu sehen waren. Es wurde kurz hochgezeigt. International wolle Israel weltweit schwule Menschen rekrutieren, um sie gegen den Iran zu instrumentalisieren, wie Külbel mit Verweis auf einen Artikel der israelischen Zeitung haAretz darstellte. Laut haAretz habe der israelische Staat hierfür etwa acht Millionen Schekel bereitgestellt (rund 1,5 Millionen Euro). Külbel schloss daraus, dass linke, schwule Antideutsche mit eben jenen acht Millionen Schekel aus Tel Aviv bezahlt würden. Dabei stecke er als Kritiker „in einer doppelten Falle“: „Wenn ich dann sage, dass die Person homosexuell ist, bin ich auch noch schwulenfeindlich.“ Hierauf unterbrach ihn Moderator Wolfgang Kröske, der die These anscheinend fragwürdig fand. Dies wiederholte sich noch einige Male während der Veranstaltung. Es gab einige kritische Nachfragen aus dem Publikum, ob Külbel dies wirklich Ernst meine und warum emzipatorische Menschen überhaupt interessiere, ob jemenschd schwul sei. Külbel ergänzte, dass eine in Israel programmierte Software die Geldflüsse ermögliche.

Geheimdienste führen – Antideutsche bloggen
Es folgte ein Exkurs über den Israel-Palästina-Konflikt und die Rolle der israelsolidarischen Linken. Kröske erklärte, antideutsche Gruppen wären vom Geheimdienst beauftragt worden, die linke Bewegung zu zerschlagen, wobei die Axel-Springer-Presse sie unterstütze. Külbel merkte an, er vertraue allen Atommächten wie „Frankreich oder Nordkorea, dass sie ihre Atomwaffen nicht einsetzen“, mit Ausnahme Israels. Dies begründete er nicht näher. [Anm. d. V.: classless Kulla ordnet das Zitat Kröske zu.] „Der Hass auf die eigene Nation paart sich bei den Antideutschen mit Selbsthass“, beschrieb Külbel das psychische Innenleben israelsolidarischer Individuen.
Ein anwesender Blogger fragte, warum er kein Geld vom Mossad erhalte. Külbel antwortete ihm, er gehöre wohl nicht zur Zielgruppe, was der linke, schwule und israelsolidarische Blogger jedoch bejahen konnte. Ihm fehle jedoch anscheinend die Software. Ein Zuschauer überreichte ihm daraufhin scherzhaft 20 Schekel. Die Frage, ob der Zuschauer beim Mossad arbeitet, konnte bislang nicht geklärt werden.
Im Rückgriff auf die angeblich vom Geheimdienst instrumentalisierte antideutsche Blogger_innenszene ruderte er kurz später ein wenig zurück: Es bestehe „kein Masterplan“ und die Antideutschen seien ein „Haufen unorganisierter Menschen“. Außerdem sei auch nicht jede_r israelsolidarische Blogger_in beim Geheimdienst, jedoch würden sie alle vom Geheimdienst geführt werden.
Gemeinsam gingen Kröske und Külbel auf den israelsolidarischen Journalisten Thomas von der Osten-Sacken ein: Dieser verdiene „sein Geld, wo er es bekommen kann“, warf Wolfgang Kröske ein. Er traue ihm übrigens seit zehn Jahren nicht mehr, weil dieser sich damals bei einer Stellenbewerbung bei einer Entwicklungshilfeorganisation gegen einen Bekannten Kröskes durchgesetzt habe. Külbel behauptete daraufhin, dass Osten-Sacken Verbindungen zum amerikanischen Geheimdienst CIA habe. Des Weiteren habe Osten-Sacken ebenfalls Einfluss auf die antideutsche Blogger_innenszene. Anschließend fand eine Pause statt, in der es Musik von Detlef Schwank gab. In der Einladung hatte Dr. Seltsams Wochenschau alle Ängstlichen bereits beruhigt: „kein Klezmer“. Schwank spielte Gitarre.

Café + Bordell + Überwachungskamera = Geheimdiensthaus
Nach der Pause saß ein weiterer Referent auf der Bühne, der Physiker Chemiker Arno Mecklenburg. Moderator Kröske stellte ihn als regelmäßigen Gast von Dr. Seltsams Wochenschau vor und kündigte an, dass Mecklenburg Jürgen Cain Külbel später kritisieren werde.
Külbel relativierte zunächst all seine bisherigen Aussagen: Er bringe „keine Indizien“ vor, sondern lediglich die Ergebnisse einer „Spurensuche“. Er kündigte an, die antideutsche Boddinstraßen-Verschwörung aufzudecken: Angeblich sei unter Jürgen Cain Külbels Namen am 7. Oktober 2009 ein Artikel bei Altermedia erschienen. Auf Anfrage Külbels habe Altermedia die IP-Adresse zurückverfolgt, die angeblich auf den Blogger Sascha Klein verwiesen habe, der das Blog Telegehirn betreibt. Dies ordnete er fälschlicherweise der Stamm-Elf von Lizas Welt zu. Telegehirn und Külbel waren bereits in den vergangenen Jahren in Konflikt geraten. Külbel habe sich, nachdem der Altermedia-Artikel erschienen war, Fotos aus Kleins Blog ausgedruckt, die er anhand der Datumssignatur chronologisch ordnete. Anschließend habe er die Orte bei Google Maps gesucht und habe – Külbel hat ein Diplom in Kriminalistik. – Kleins Adresse ausfindig machen können. Hatte Külbel vor der Pause der israelsolidarischen Linken denunziatorische Methoden unterstellt, nannte er nun unter Protest zahlreicher Anwesender die exakte Anschrift Sascha Kleins mit Stockwerk und der Seite der Tür im Treppenhaus. Er kommentierte: „Das Outing von Antideutschen ist okay.“ Außerdem solle sich niemenschd anonym im Internet bewegen dürfen. Weiterhin habe er recherchiert, dass das Haus einer israelischen Firma gehöre, die in Zypern sitze, wo wiederum zahlreiche Geheimdienste ansässig wären. Die Verbindung Kleins zum Geheimdienst werde auch dadurch untermauert, dass sich in dem Haus neben einem Café auch ein Bordell und eine Überwachungskamera befänden. „Das sind ideale Bedingungen, um andere Menschen auszuhorchen“, so Külbel.

Deutschlands antideutsche Waffe
Den Antideutschen sei es inzwischen sogar gelungen, sich in der Linkspartei zu etablieren. Dabei handele es sich um den israelsolidarischen Bundesarbeitskreis Shalom (BAK Shalom) der Linksjugend [’solid]. Dies sei insbesondere durch Gregor Gysi unterstützt worden, denn dieser habe eine antisemitismuskritische Rede gehalten. Von wem Gysi beeinflusst wurde, belegte Jürgen Cain Külbel mit einem Foto, das Gysi zusammen mit Henryk M. Broder zeigt. Der Sprecher des BAK Shalom, Benjamin-Christopher Krüger habe bei Bodo Ramelow als Mitarbeiter und Frank Tempel als Büroleiter in der Linksfraktion des Bundestags gearbeitet. BAK-Shalom-Aktivist Sebastian Meskes arbeite als Büroleiter für Thomas Lutze, der ebenfalls der Linksfraktion angehört. Die Antideutschen hätten also nicht nur die Linkspartei unterwandert. Sie würden auch durch den deutschen Staat mit Steuergeldern bezahlt werden.

Keine Lyrik, sondern Antisemitismus
Anschließend erhielt Arno Mecklenburg das Wort. Jürgen Cain Külbel sei ein „übler Bursche“, sagte Mecklenburg, auf den er vor Langem aufmerksam geworden sei. Auf Jürgen Cain Külbel sei Mecklenburg schon vor Langem aufmerksam geworden. Er wolle dem Publikum zunächst jedoch darstellen, was er unter Antisemitismus verstehe.
Dazu gehöre auch das Bedienen antisemitischer Klischees, bspw. die Bezeichnung von Jüdinnen und Juden als „Kindermörder“. Er ergänze dies durch ein Zitat Adornos: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“
Anschließend berichtete er von einem Brief Külbels an Salomon Korn und darüber, dass Külbel Angela Merkel den „Kotau vor dem zionistischen Nationalismus der israelischen Bourgeoisie“ vorgeworfen hatte. Die Nationale Volkspartei aus Österreich hatte sich sehr ähnlich geäußert. Mecklenburg berichtete über eine Aktion, bei der Külbel 2008 dazu aufgerufen hatte, eine E-Mail an die Bundeskanzlerin Merkel zu schreiben, die am 29. Dezember 2008 die Hamas (Info-PDF, 1.1 MB) aufgefordert hatte, den Raketenbeschluss auf Israel einzustellen. Diese E-Mail sollte symbolisch eine Tasse „mit palästinensischem Kinderblut“ enthalten.
Anschließend forderte Mecklenburg das Publikum auf, mit ihm eine Runde „Antisemitismus-Bingo“ zu spielen. Sie sollten den Arm heben, sobald sie ein antisemitisches Klischee entdeckten, während er einen Text vortrage. Anschließend verlas er Külbels antisemitisches Gedicht „Palästinas Kinder“ (anonymer Link). Das Publikum hob zwar nur an seltenen Stellen den Arm; dies lag vermutlich sowohl an der überraschenden Wendung der Veranstaltung als auch teilweise an mangelndem Wissen. In dem Gedicht heißt es, Israel wate durch das Blut Gazas und suche das Blut palästinensischer Kinder, um sie anschließend zu töten. Israels Soldaten spielten eine tödliche Musik, die wie rauschendes Gas nach brennendem Phosphor klinge. Israel habe nichts Menschliches an sich. Ein_e Teilnehmer_in der Veranstaltung (Der Name ist mir bekannt.) sagte mir nach der Veranstaltung, das Gedicht habe an nationalsozialistische Hetzschriften Des Stürmers erinnert. Wolfgang Kröske entzog Arno Mecklenburg anschließend das Wort: „Wir wollen hier nicht darüber diskutieren, ob das gute Lyrik ist oder nicht.“ Auf die antisemitischen Äußerungen Külbels ging er nicht weiter ein. Külbel bestätigte, Autor der Texte zu sein. Der Veranstaltungsteil über „die Antideutschen“ endete kurz darauf nach 15 Uhr.
Wolfgang Kröske aka Dr. Seltsam ist Kabarettist, Veranstalter von Dr. Seltsams Wochenschau und trat bei zahlreichen großen Veranstaltungen als Moderator auf, unter anderem bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz der jungen welt.

Ein weiterer Bericht über die Veranstaltung ist bei classless Kulla zu lesen.

Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz by-nc-sa.