Dresden? Da gibt’s doch bereits ein altes Rezept…

Hier ein paar nützliche Hinweise für Dresdenblocker_innen:

Und wer noch nicht weiß, was mensch in Dresden so machen kann, geben Classless Kulla & Istari Lasterfahrer ein paar Tipps:

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0, Musikvideo: s. dort

Leser_innenbrief an die Mädchenmannschaft

Liebe Meredith,

mit viel Interesse und Entsetzen habe ich deinen Beitrag auf maedchenmannschaft.denet über die junge türkische Frau, die von ihrer Familie im ostanatolischen Kahta lebendig begraben wurde, gelesen. Grund für den Mord: die 16-jährige soll mit Jungen gesprochen haben. Ihre Leiche wurde gefesselt und in sitzender Position eingebuddelt im Garten der Familie gefunden. Der „Familienrat“ soll die Exekution beschlossen haben. Der Großvater und der Vater wurden nach einem Hinweis aus der Bevölkerung inhaftiert. Sollten sie verurteilt werden, droht ihnen lebenslange Haft. Die Mutter wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Süddeutsche Zeitung und The Guardian berichteten.

Dieser Mord an einer jungen Frau, die sich über die familiären Normen hinwegsetzte, ist menschenfeindlichlich, sexistisch, diskriminierend und antiemanzipatorisch zugleich. Ich glaube, dass wir uns da einig sind. Auch einig sind wir uns, dass dies kein Einzelfall ist, sondern ähnliche Fälle in dieser Region mehrmals pro Woche geschehen. Ich kann daher auch deine Fassungslosigkeit verstehen, deinen Ärger. Was ich jedoch nicht verstehen kann, ist, dass du dich deswegen fragst,

ob man eine ganze Region in Massentherapie schicken kann, ob Bildung, Aufklärung oder sonst irgendwelche Veränderungen der Rahmenbedingungen hier überhaupt etwas ändern können.
Erstens negierst du damit, dass es auch in Anatolien emanzipatorische Teile der Gesellschaft gibt, z.B. die Frauen(selbst)hilfegruppe VAKAD. Diese geht übrigens einem Bericht von Stop Honour Killings zufolge davon aus, dass Frauen und Mädchen in Ostanatolien heutzutage mehr Rechte haben und dass Polizei und Gerichte sich immer häufiger mit dem Themenkomplex „Gewalt gegen Frauen“ befassen (müssen). Darauf weist du ja selbst hin:
Gesetze tun es ja offenbar nicht, denn immerhin sind so genannte Ehrenmorde in der Türkei ja mittlerweile strafbar.
Damit hast du nicht ganz unrecht: Denn ein Gesetz, dass in der Bevölkerung nicht akzeptiert wird, ist ein wirkungsloses Gesetz. Gleichzeitig wird es wohl kaum ein Gesetz auf der Erde geben, dass nie angewandt wird: So ist in allen (mir bekannten) Ländern Mord verboten, trotzdem gibt es weltweit jährlich neue Ermordete. Dies ist jedoch kein Anlass, die gesamte Bevölkerung eines Landes oder Landstriches unter Generalverdacht zu stellen. Genau das tust du leider. Und du gehst noch einen Schritt weiter: Du wirfst die Frage auf, ob die Bevölkerung in der Osttürkei überhaupt in der Lage ist, zu lernen, sich zu bilden oder humanistische Maßstäbe zu akzeptieren. Das ist leider eine rassistische, kleinbürgerliche These, die davon ausgeht, dass das per se nicht möglich ist (und sich von deinen sonstigen Beiträgen auch qualitativ unterscheidet). Leben denn in der Türkei keine Menschen? Sind die Bewohner_innen dieses Landes (im Gegensatz zu anderen) nicht zur Vernunft befähigt? Gibt es keine Möglichkeit, dass sich Menschen dort emanzipieren? Warum nicht? – An deren Genen wird es ja sicherlich nicht liegen. (Diese Behauptung unterstelle ich dir nicht!) Vielleicht aber an der dortigen Kultur? Eine solche These, dass Menschen, die nicht in der westlichen Welt leben, alles Barbaren sind, halte ich jedoch für grundfalsch. Du übrigens auch.

Noch eine Frage: Glaubst du daran, dass Sexismus und Patriarchat therapierbar (Ich meine nicht „überwindbar“, sondern frage nach „therapierbar“.) sind?

Wie gesagt, ich finde es schlimm, was regelmäßig in vielen Teilen der Welt passiert: Mord an Frauen und Mädchen wegen der vermeintlichen Familien- oder Machoehre. Ich glaube aber weiterhin daran, dass Aufklärung, Bildung und die Stärkung emanzipatorischer Gruppen vor Ort möglich sind und auch der richtige Weg! Ich werde maedchenmannschaft.denet, ein übrigens herausragend gutes feministisches Blog, natürlich auch weiterhin lesen, genauso wie deine sonst recht differenzierten Beiträge!

Feministisch-emanzipatorische Grüße
Gnurpsnewoel

P.S.: Ich werfe Meredith nicht vor, grundsätzlich eine Rassistin zu sein, sondern den Inhalt dieses einen Absatzes. (Um mal gleich vorzubeugen…)

Update (6. Februar 2010): Meredith hat in einem Comment auf maedchenmannschaft.net nicht nur mir geantwortet. Ich finde das zwar nicht zufriedenstellend, aber immerhin… Es gibt von heidrun und mir auch eine Antwort.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

10 Tage Firefox 3.6 – leider ohne TOR

Ich habe mir vor zehn Tagen den neuen Browser Firefox 3.6 von Mozilla heruntergeladen und installiert. Vorher habe ich Firefox 3.5.x genutzt. Ich neige dazu, immer die neuste stabile Version eines Programms haben zu wollen. Firefox 3.6 bringt auch einige vorteilhafte Neuerungen mit sich.

Neue Tabs öffnen sich (endlich!) nun immer neben dem aktuellen, nicht erst am Ende der Tableiste. Für gestandene Firefoxuser_innen bedarf das zwar einiger Umgewöhnzeit, aber ganz ehrlich: Das erleichtert es wirklich zu browsen und erhöht die Usability. Ogg/Theora-Videos können im Vollbildmodus angezeigt werden. Die augescheinlichste Neuerung sind die so genannten ‚Personas“, die eigentlich vereinfachte Themes sind und die Programmoberfläche individualisieren. Bei Personas handelt es sich also um ein hübsches Spielzeug, da hört es aber auch wieder auf. Und letzendlich werden sie auch wieder über die Themes verwaltet.

Außerdem wurde die Surfsicherheit erhöht: Der Private Modus, eine globale Sicherheitseinstellung, die weniger Surfspuren auf dem Rechner hinterlässt, entfernt nun auch Temporäre Dateien. Andere Programme sollen ihre Symbolleisten nicht mehr so einfach einfach in Firefox ergänzen können. Ich hoffe mal, das dadurch auch der halbjährlicher Terror der plötzlich ergänzten Ask-Suchleiste vorbei ist. Verändert wurden die Java-Einstellungen: Java kann nicht mehr in den Einstellungen aktiviert werden. Java ist jetzt ein Add-on und wird über die Add-ons verwaltet. Dort wird Java dann wie jedes andere Add-on auch akktiviert oder deaktiviert. Ich finde das enorm unübersichtlich, da einzelne Java-Updates jetzt den überwiegenden Teil meiner Add-ons ausmachen.

Was natürlich nicht funktioniert, sind einige Add-ons, was bei größeren Updates immer passiert, da sie mit der höheren Version dann nicht mehr kompatibel sind. Das ist zwar jedes Mal ärgerlich, weil mensch sich dann von erlernten Surfgewohnheiten wieder trennen muss. Erfreulich ist daher, das Sicherheit erhöhende Add-ons wie NoScript und das Werbeblocktool AdBlock Plus funktionieren und hilfreiche Add-ons wie der URL-Shortlink-Service is.gd Creator, das Webarchivtool UnMHT oder Youtube to MP3 weiterhin funktionieren. Was jedoch nicht funktioniert, ist die Tor-proxy.NET Toolbar von Benjamin Siggel, eine weitere Navigationsleiste, mit der anonymisiert über das Tor-Netzwerk oder über JonDos/JAP gesurft werden kann. Sie ist nicht kompatibel mit Firefox 3.6. Die vermeintliche Alternative Tor Button kann ich nicht weiterempfehlen. Das Tool führt bei vielen zu Problemen. Ich kann das nur bestätigen. Tor Button hat bei mir ein Problem mit dem Proxy und öffnet alle Seiten im Ladefehler-Modus. Das macht nur wenig Spaß. Firefox 3.6 erhöht also die Usability leicht und schließt einige kleine Sicherheitslücken. Aber anonymisiertes Surfen ist mit dem neuen Firefox (noch) nicht möglich. Dies ist natürlich nicht die Schuld von Mozilla, sondern liegt am inkompatiblen Add-on. Ich werde also warten, bis Tor-proxy.NET upgedatet wird.

Benjamin, bitte besser nach!

Update (05. Februar 2010): Was auch nicht besonders gut funktioniert, sind übrigens Formulare. Häufig wird beim Posten der Formulare der Inhalt geleert. Dies hat bei mir bei Wikipedia auch schon dazu geführt, dass ich einen Artikel versehentlich gelöscht habe. Es genügt bei diesem Fehler jedoch, auf den Zurück-Button zu klicken und erneut zu posten. Dann geht’s, aber es ist echt nervig.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

So bin ich zu erreichen

Falls es mal nötig ist…
E-mail: Adresse, Public PGP Key, PGP Fingerabdruck.

Internet Explorer nicht mehr nutzen!

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte heute in einer Pressemitteilung vor der weiteren Nutzung des Internet Explorers (IE). Die IE-Versionen 6, 7 und 8, das heißt auch die aktuelle, enthalten demnach eine gefährliche Sicherheitslücke die Angriffe auf den eigenen Computer ermöglicht.

Bis der Fehler behoben ist, empfiehlt das BSI, andere Browser zu nutzen, beispielsweise Mozilla Firefox. Auch darüber hinaus kann es allerdings ratsam sein, nicht zum Internet Explorer zurückzukehren, wozu das BSI sich jedoch bislang nicht äußerte. Der Internet Explorer zählt zu den eher sicherheitsproblematischen Browsern. Daher ist eine Rückkehr nicht zu empfehlen.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0

Alter aus Geburtsdatum berechnen per Tabellenkalkulation

Um ein Datum in eine Anzahl an vergangenen Jahren umzurechnen bedarf es nur weniger Schritte mit Open Office Calc oder Excel. (Als Grundlage nehme ich Open Office. In Excel dürfte es jedoch keine Unterschiede geben.) Schlaue Menschen nehmen zwar lieber ihre zehn Finger und zählen ab oder beherrschen sogar das Kopfrechnen. Ich möchte hier trotzdem eine tabellenkalkulatorische Lösungen präsentieren, weil ich sie gerade selbst gesucht und dann auch gefunden habe. Praktisch kann so etwas beispielsweise sein, wenn mensch einen Serienbrief erstellen möchte und nicht abzählen möchte.

Ich habe hier folgende Beispieltabelle erstellt, die als Rohdaten einen Namen und ein Geburtsdatum („geb.“) enthält:

Der Name dient nur der Illustration. Alle weiteren Daten („Alter genau“; „Alter“; „Lebensjahr“; „Jünger als 27?“) werden mit Formeln aus dem Gebursdatum errechnet.

Schritt 1: Das genaue Alter
Hierfür bietet Open Office Calc (und auch Excel; das spare ich mir aber hier jeweils zu nennen) die Funktion „BRTEILJAHRE“. Diese berechnet die Differenz zwischen zwei Jahresdaten als Bruchteil von Jahren. Das erste Datum muss älter als das zweite sein. Außerdem kann noch eine so genannte „Basis“ angegeben werden, einen Zahlencode, der die Werte 0; 1; 2; 3; 4 annehmen kann, was im OpenOffice.org-Wiki näher erläutert wird. (Wird die Basis weggelassen wie in diesem Beispiel oder der Wert auf „0″ gesetzt, findet die Berechnung mit 30 Tage langen Monaten statt, für eine genaue Berechnung muss der Basis-Wert „1″ eingegeben werden.)

=BRTEILJAHRE(Ausgangsdatum;Enddatum;Basis) oder vereinfacht
=BRTEILJAHRE(Ausgangsdatum;Enddatum)

Um Paul Pudels Alter heute auszurechnen, müsste also in eine Zelle geschrieben werden:

=BRTEILJAHRE(12.09.1995;05.01.2010)

Als Ergebnis wird der Wert 14,314 (Jahre) ausgegeben. Da mensch das aktuelle Datum ja nicht immer per Hand ändern will, bietet sich hier die Funktion HEUTE an, die ohne Argumente auskommt. Paul Pudels Geburtstag entspricht dem Feld B2. Die Formel lautet dann:

=BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())

Das „$“-Zeichen kann entfallen, ist aber hilfreich, wenn der Feldwert bzw. die Formel in ein anderes Feld kopiert wird. (Spalte B bleibt dann unverändert stehen.) Zur Formatierung sei angemerkt, dass die Zellen der Spalte C mitdem Format-Code 0,000 formatiert wurden (Menü > Format > Zellen).

Schritt 2: Das Alter in ganzen Jahren
Hierzu muss das genaue Alter abgerundet werden. Die Funktion hierzu heißt ABRUNDEN. Es gibt zwei Möglichkeiten:

=ABRUNDEN($C2) und
=ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())

Die erste (kurze) Variante rundet „Alter genau“ ab, die zweite Variante berechnet den Wert selbst bzw. neu.

Schritt 3: Das Lebensjahr
Hierfür muss zum vorherigen Schritt 1 als SUMME addiert werden.

=SUMME($D2+1) und
=SUMME(ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())+1)

Um hinter der ausgegebenen Zahl (In E1 wird „15“ ausgegeben.) noch einen Punkt zu setzen, wird unter Menü > Format > Zellen der Format-Code 0"." angegeben.

Schritt 4: Umwandlung in Text
Als Beispiel, um die Ergebnisse in einen aussagekrräftigen Text umzuwandeln, wurde hier die Frage gewählt, ob die entsprechenden Personen jünger als 27 Jahre alt sind. Hier ist die Wenn-Dann-Sonst-Schleife WENN hilfreich: „Prüfe, ob die Person jünger als 27 ist und wenn ja, gib aus: ‚jünger‘, ansonsten gib aus ‚ZU ALT‘.“ Die WENN-Formel sieht allgemein so aus:

=WENN(Prüfung;Dann;Sonst)

Es bieten sich wieder verschiedene Möglichkeiten der Berechnung:

=WENN($D2<27;"jünger";"ZU ALT") und
=WENN(ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE()))<27;"jünger";"ZU ALT")

weiterer Schritt: Abgleich meherer Fragen
Werden zwei Fragen gestellt, beispielsweise, ob eine Person jünger als 27 Jahre ist und gerne Nudeln ist, muss zunächst eine weitere Spalte G „Nudeln?“ angelegt werden. In dieser Spalte wird immer „ja“ eingetragen, wenn die Person Nudeln mag. Um die Doppelfrage zu beantworten, ist eine verschachtelte Wenn-Dann-Sonst-Schleife nötig. Open Office Calc rechnet nach dem Muster „Prüfe, ob die Person Nudeln mag und wenn „ja“, dann [prüfe, ob die Person jünger als 27 Jahre alt ist und wenn ja, dann gib aus ‚ja‘, sonst gib aus ‚nein‘], sonst gib aus ‚nein‘.“ In Open Office sieht das so aus:

=WENN($G2="ja";WENN($D2<27;"nein";"ja");"nein") und

=WENN($G2="ja";WENN(ABRUNDEN(BRTEILJAHRE($B2;HEUTE())<27;
"nein";"ja");"nein")

Verbesserungsvorschläge und Anregungen sind gern willkommen!

Text und Grafik stehen unter der Creative-Commons-Lizenz by-nc-sa 3.0.

Wer bezahlt die Antideutschen?

In Dr. Seltsams Wochenschau versuchte Jürgen Cain Külbel aufzuzeigen, wer die israelsolidarische Linke in Deutschland finanziert. Dabei nannte er Mossad, CIA sowie den deutschen Staat. Er denunzierte seine Kritiker_innen als Denunziant_innen, bediente zahlreiche antisemitische Klischees und baute einige Verschwörungstheorien auf. Die Veranstaltung war Ernst gemeint.

Der Kabarettist Wolfgang Kröske aka Dr. Seltsam hatte am heutigen Sonntag, den 3. Januar 2010, zu Dr. Seltsams Wochenschau geladen, einer etwa wöchentlichen Informationsveranstaltung. Die Veranstaltung sollte die Frage, wer die Antideutschen bezahle, beantworten. Dazu hatte Kröske den Journalisten und Kriminalisten Jürgen Cain Külbel aka Kain Kübel eingeladen, der „einige überraschende Verbindungen“ aufdecken sollte, auch zum israelischen Geheimdienst Mossad. Bei den so genannten Antideutschen handelt es sich um eine Strömung innerhalb der Linken, die sich insbesondere mit der besonderen deutschen Ausprägung des Nationalismus sowie mit Antisemitismus auseinandersetzt und sich grundsätzlich mit Israel solidarisch erklärt.
Im Berlin-Neuköllner Brauhaus Südstern fanden sich gegen 13 Uhr etwa 50 Zuschauer_innen [Ergänzung: Ein Augenzeuge berichtet von 80 Menschen im Raum.] ein, darunter einige Personen aus dem Umfeld des Internationalen Abends des Schnarup-Thumby in Friedrichshain und der Pro-Intifada-Bewegung sowie der Stifter und Anti-Atom-Aktivist Ulf Mann. [Ergänzung: Außerdem wurde wohl der Kinomacher Andreas Döhler gesehen, der das One-World-Festival mitorganisiert.] Ein Drittel 15-20 der Anwesenden gehörte der israelsolidarischen Linken an.

Broder, Lizarazu, der Mossad und die Schwulen
Wolfgang Kröske sprach zunächst einige einleitende Worte, wobei er zwar den Anti-Antisemitismus antideutscher Gruppen befürwortete, ihnen jedoch unterstellte, dies gegen andere linke Gruppen zu instrumentalisieren, insbesondere um eine „Kriegspolitik“ der israelischen Regierung zu rechtfertigen. Er forderte, antideutsche Gruppen zu verbieten – Wie das gehen soll und durch wen, ließ er allerdings offen. – und gegen sie „Krieg“ zu führen.
Der Referent Külbel behauptete zunächst, antideutsche Gruppierungen, seien bis 2005 kaum vernetzt gewesen. Dies habe sich bei einem durch den Axel-Springer-Konzern unterstützten Blogger_innentreffen in München geändert, das der Publizist Henryk M. Broder geleitet habe. Die Struktur sei seitdem angeblich so beschaffen, das Broder sich regelmäßig eine Person erwähle, die als Antisemit_in denunziert werden solle. Das Blog Lizas Welt würde anschließend Material hierzu aufbereiten und andere israelsolidarische Blogger_innen hierzu „die Drecksarbeit leisten“ würden zur Recherche und Denunziation. Elf Blogger_innen spielten dabei eine herausragende Rolle. Dabei werde die Methode des Google Bombings gezielt genutzt, um die Denunziation zu perfektionieren. Bei den elf Blogger_innen dürfte es sich jedoch eher um einen Teil des Blogrolls in Lizas Welt handeln, der als „Stamm-Elf“ bezeichnet wird: Der Name des Blogs ist eine Hommage an den Fußballspieler Lizarazu. Jürgen Cain Külbel geht jedoch davon aus, dass über die vermeintliche Verbindung Mossad – Henryk M. Broder – Lizas Welt die israelsolidarische Bewegung gesteuert werde. Als Beweis diente hier ein DIN-A4-großes Foto, auf dem Broder und einige mir unbekannte Menschen zu sehen waren. Es wurde kurz hochgezeigt. International wolle Israel weltweit schwule Menschen rekrutieren, um sie gegen den Iran zu instrumentalisieren, wie Külbel mit Verweis auf einen Artikel der israelischen Zeitung haAretz darstellte. Laut haAretz habe der israelische Staat hierfür etwa acht Millionen Schekel bereitgestellt (rund 1,5 Millionen Euro). Külbel schloss daraus, dass linke, schwule Antideutsche mit eben jenen acht Millionen Schekel aus Tel Aviv bezahlt würden. Dabei stecke er als Kritiker „in einer doppelten Falle“: „Wenn ich dann sage, dass die Person homosexuell ist, bin ich auch noch schwulenfeindlich.“ Hierauf unterbrach ihn Moderator Wolfgang Kröske, der die These anscheinend fragwürdig fand. Dies wiederholte sich noch einige Male während der Veranstaltung. Es gab einige kritische Nachfragen aus dem Publikum, ob Külbel dies wirklich Ernst meine und warum emzipatorische Menschen überhaupt interessiere, ob jemenschd schwul sei. Külbel ergänzte, dass eine in Israel programmierte Software die Geldflüsse ermögliche.

Geheimdienste führen – Antideutsche bloggen
Es folgte ein Exkurs über den Israel-Palästina-Konflikt und die Rolle der israelsolidarischen Linken. Kröske erklärte, antideutsche Gruppen wären vom Geheimdienst beauftragt worden, die linke Bewegung zu zerschlagen, wobei die Axel-Springer-Presse sie unterstütze. Külbel merkte an, er vertraue allen Atommächten wie „Frankreich oder Nordkorea, dass sie ihre Atomwaffen nicht einsetzen“, mit Ausnahme Israels. Dies begründete er nicht näher. [Anm. d. V.: classless Kulla ordnet das Zitat Kröske zu.] „Der Hass auf die eigene Nation paart sich bei den Antideutschen mit Selbsthass“, beschrieb Külbel das psychische Innenleben israelsolidarischer Individuen.
Ein anwesender Blogger fragte, warum er kein Geld vom Mossad erhalte. Külbel antwortete ihm, er gehöre wohl nicht zur Zielgruppe, was der linke, schwule und israelsolidarische Blogger jedoch bejahen konnte. Ihm fehle jedoch anscheinend die Software. Ein Zuschauer überreichte ihm daraufhin scherzhaft 20 Schekel. Die Frage, ob der Zuschauer beim Mossad arbeitet, konnte bislang nicht geklärt werden.
Im Rückgriff auf die angeblich vom Geheimdienst instrumentalisierte antideutsche Blogger_innenszene ruderte er kurz später ein wenig zurück: Es bestehe „kein Masterplan“ und die Antideutschen seien ein „Haufen unorganisierter Menschen“. Außerdem sei auch nicht jede_r israelsolidarische Blogger_in beim Geheimdienst, jedoch würden sie alle vom Geheimdienst geführt werden.
Gemeinsam gingen Kröske und Külbel auf den israelsolidarischen Journalisten Thomas von der Osten-Sacken ein: Dieser verdiene „sein Geld, wo er es bekommen kann“, warf Wolfgang Kröske ein. Er traue ihm übrigens seit zehn Jahren nicht mehr, weil dieser sich damals bei einer Stellenbewerbung bei einer Entwicklungshilfeorganisation gegen einen Bekannten Kröskes durchgesetzt habe. Külbel behauptete daraufhin, dass Osten-Sacken Verbindungen zum amerikanischen Geheimdienst CIA habe. Des Weiteren habe Osten-Sacken ebenfalls Einfluss auf die antideutsche Blogger_innenszene. Anschließend fand eine Pause statt, in der es Musik von Detlef Schwank gab. In der Einladung hatte Dr. Seltsams Wochenschau alle Ängstlichen bereits beruhigt: „kein Klezmer“. Schwank spielte Gitarre.

Café + Bordell + Überwachungskamera = Geheimdiensthaus
Nach der Pause saß ein weiterer Referent auf der Bühne, der Physiker Chemiker Arno Mecklenburg. Moderator Kröske stellte ihn als regelmäßigen Gast von Dr. Seltsams Wochenschau vor und kündigte an, dass Mecklenburg Jürgen Cain Külbel später kritisieren werde.
Külbel relativierte zunächst all seine bisherigen Aussagen: Er bringe „keine Indizien“ vor, sondern lediglich die Ergebnisse einer „Spurensuche“. Er kündigte an, die antideutsche Boddinstraßen-Verschwörung aufzudecken: Angeblich sei unter Jürgen Cain Külbels Namen am 7. Oktober 2009 ein Artikel bei Altermedia erschienen. Auf Anfrage Külbels habe Altermedia die IP-Adresse zurückverfolgt, die angeblich auf den Blogger Sascha Klein verwiesen habe, der das Blog Telegehirn betreibt. Dies ordnete er fälschlicherweise der Stamm-Elf von Lizas Welt zu. Telegehirn und Külbel waren bereits in den vergangenen Jahren in Konflikt geraten. Külbel habe sich, nachdem der Altermedia-Artikel erschienen war, Fotos aus Kleins Blog ausgedruckt, die er anhand der Datumssignatur chronologisch ordnete. Anschließend habe er die Orte bei Google Maps gesucht und habe – Külbel hat ein Diplom in Kriminalistik. – Kleins Adresse ausfindig machen können. Hatte Külbel vor der Pause der israelsolidarischen Linken denunziatorische Methoden unterstellt, nannte er nun unter Protest zahlreicher Anwesender die exakte Anschrift Sascha Kleins mit Stockwerk und der Seite der Tür im Treppenhaus. Er kommentierte: „Das Outing von Antideutschen ist okay.“ Außerdem solle sich niemenschd anonym im Internet bewegen dürfen. Weiterhin habe er recherchiert, dass das Haus einer israelischen Firma gehöre, die in Zypern sitze, wo wiederum zahlreiche Geheimdienste ansässig wären. Die Verbindung Kleins zum Geheimdienst werde auch dadurch untermauert, dass sich in dem Haus neben einem Café auch ein Bordell und eine Überwachungskamera befänden. „Das sind ideale Bedingungen, um andere Menschen auszuhorchen“, so Külbel.

Deutschlands antideutsche Waffe
Den Antideutschen sei es inzwischen sogar gelungen, sich in der Linkspartei zu etablieren. Dabei handele es sich um den israelsolidarischen Bundesarbeitskreis Shalom (BAK Shalom) der Linksjugend [’solid]. Dies sei insbesondere durch Gregor Gysi unterstützt worden, denn dieser habe eine antisemitismuskritische Rede gehalten. Von wem Gysi beeinflusst wurde, belegte Jürgen Cain Külbel mit einem Foto, das Gysi zusammen mit Henryk M. Broder zeigt. Der Sprecher des BAK Shalom, Benjamin-Christopher Krüger habe bei Bodo Ramelow als Mitarbeiter und Frank Tempel als Büroleiter in der Linksfraktion des Bundestags gearbeitet. BAK-Shalom-Aktivist Sebastian Meskes arbeite als Büroleiter für Thomas Lutze, der ebenfalls der Linksfraktion angehört. Die Antideutschen hätten also nicht nur die Linkspartei unterwandert. Sie würden auch durch den deutschen Staat mit Steuergeldern bezahlt werden.

Keine Lyrik, sondern Antisemitismus
Anschließend erhielt Arno Mecklenburg das Wort. Jürgen Cain Külbel sei ein „übler Bursche“, sagte Mecklenburg, auf den er vor Langem aufmerksam geworden sei. Auf Jürgen Cain Külbel sei Mecklenburg schon vor Langem aufmerksam geworden. Er wolle dem Publikum zunächst jedoch darstellen, was er unter Antisemitismus verstehe.
Dazu gehöre auch das Bedienen antisemitischer Klischees, bspw. die Bezeichnung von Jüdinnen und Juden als „Kindermörder“. Er ergänze dies durch ein Zitat Adornos: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“
Anschließend berichtete er von einem Brief Külbels an Salomon Korn und darüber, dass Külbel Angela Merkel den „Kotau vor dem zionistischen Nationalismus der israelischen Bourgeoisie“ vorgeworfen hatte. Die Nationale Volkspartei aus Österreich hatte sich sehr ähnlich geäußert. Mecklenburg berichtete über eine Aktion, bei der Külbel 2008 dazu aufgerufen hatte, eine E-Mail an die Bundeskanzlerin Merkel zu schreiben, die am 29. Dezember 2008 die Hamas (Info-PDF, 1.1 MB) aufgefordert hatte, den Raketenbeschluss auf Israel einzustellen. Diese E-Mail sollte symbolisch eine Tasse „mit palästinensischem Kinderblut“ enthalten.
Anschließend forderte Mecklenburg das Publikum auf, mit ihm eine Runde „Antisemitismus-Bingo“ zu spielen. Sie sollten den Arm heben, sobald sie ein antisemitisches Klischee entdeckten, während er einen Text vortrage. Anschließend verlas er Külbels antisemitisches Gedicht „Palästinas Kinder“ (anonymer Link). Das Publikum hob zwar nur an seltenen Stellen den Arm; dies lag vermutlich sowohl an der überraschenden Wendung der Veranstaltung als auch teilweise an mangelndem Wissen. In dem Gedicht heißt es, Israel wate durch das Blut Gazas und suche das Blut palästinensischer Kinder, um sie anschließend zu töten. Israels Soldaten spielten eine tödliche Musik, die wie rauschendes Gas nach brennendem Phosphor klinge. Israel habe nichts Menschliches an sich. Ein_e Teilnehmer_in der Veranstaltung (Der Name ist mir bekannt.) sagte mir nach der Veranstaltung, das Gedicht habe an nationalsozialistische Hetzschriften Des Stürmers erinnert. Wolfgang Kröske entzog Arno Mecklenburg anschließend das Wort: „Wir wollen hier nicht darüber diskutieren, ob das gute Lyrik ist oder nicht.“ Auf die antisemitischen Äußerungen Külbels ging er nicht weiter ein. Külbel bestätigte, Autor der Texte zu sein. Der Veranstaltungsteil über „die Antideutschen“ endete kurz darauf nach 15 Uhr.
Wolfgang Kröske aka Dr. Seltsam ist Kabarettist, Veranstalter von Dr. Seltsams Wochenschau und trat bei zahlreichen großen Veranstaltungen als Moderator auf, unter anderem bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz der jungen welt.

Ein weiterer Bericht über die Veranstaltung ist bei classless Kulla zu lesen.

Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz by-nc-sa.



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