Griechenland: Nicht nur ohne Geld, sondern auch im Krieg

Alle Welt spricht zurzeit von der drohenden Staatspleite Griechenlands. Doch außerhalb der Großstädte wie Athen oder Thessaloniki bekommt mensch in Griechenland davon wenig mit.

Tatsächlich fühlen sich viele griechische Landbewohner_innen vielmehr durch die allgemeine Eurokrise bedroht. In der Samtgemeinde Igoumenitsa, gelegen an der Westküste der Region Epiros, sind die Einnahmen durch Tourismus nach ungenauen Schätzungen um ein Drittel zurückgegangen. An der wirtschaftlich eher schwachen Küste (die Hafenstadt Igoumenitsa ist eine Ausnahme in der Samtgemeinde) lebt ein Großteil der Menschen von den Einnahmen der Tourismussaison von April bis Oktober. Im Winter bleiben Einnahmen überwiegend aus. Hoch gerechnet auf das ganze Jahr bedeutet dies also den Verlust von zwei Dritteln des Vorjahreseinkommens. Die Griechenlandkrise wirkt sich also kaum aus, auch wenn einige Geschäftspleiten unübersehbar ist. Es zeigt sich aber, wie die Eurokrise hier auf die Griechenlandkrise auswirkt: Weil weniger Einnahmen von europäischen Tourist_innen gemacht wurden, werden weniger Steuern gezahlt werden im nächsten Jahr. Dies sind fehlende Finanzmittel im Kampf der sozialdemokratischen Regierung gegen die griechische Finanzkrise.

Bekannt ist zwar, dass Griechenland eine finanziell sehr schwierige Zeit durchmacht. Im Alltag herrschen jedoch andere Sorgen vor. Mir viel präsenter war vor Ort etwas gänzlich anderes.

Etwa alle zwei Tage fliegt über der griechischen Westküste ein NATO-Kampfjet. Teilwiese sind auch Aufklärungsflugzeuge aus dem AWACS-Programm der NATO zu hören. Diese starten und landen am Flughafen Preveza-Aktio im Süden des Epiros. Griechenland, das NATO-Mitglied ist, muss derzeit zusätzlich zur Bewältigung der europäischen Finanzkrise auch Zusagen von verbündeten Partner_innenstaaten nachkommen. Neben Italien ist es von den europäischen Staaten am nächsten an Libyen gelegen. Bengasi ist etwa eine Flugstunde von Preveza entfernt. Dazu kommen tatsächliche Unterstützungsflüge als NATO-Mitglied für den Kosovo. Dieser ist von Preveza aus per Flugzeug in etwa einer dreiviertel Stunde zu erreichen.

Griechenland spürt nicht nur die europäische Finanzkrise. Es befindet sich zudem in einem teurem Bündniskrieg gegen andere und in anderen Staaten. Es sind Finanzausgaben, die in Europa niemand in Frage stellt.

Kleines Anekdötchen: Bevor die heutige Regierungspartei PASOK (Panhellenische Sozialistische Bewegung) 1981 an die Regierung kam, wetterte sie im Wahlkampf gegen zwei Hauptfeinde: die Interessen von EWG und NATO. Jetzt muss sie beide bedienen.

Genau, Pavel Mayer, du Piratosexist

Eine Frau würde man ja auch nicht ablehnen, nur weil sie schwanger werden kann.

Das sagt Pirat Pavel Mayer, MdA, in Der Welt. Und zwar zur Frage, ob er die Mitarbeiter seiner Softwarefirma eingestellt hätte, wenn er ihren Miteinzug ins Abgeordnetenhaus geahnt hätte.

Frauen kriegen Kinder, Männer machen Politik. Aber weil ihr die Geschlechterfrage ja überwunden habt, ist das ja bei beiden kein Kündigungsgrund.

Zeigt her eure Füße!

Das Restaurant „Tre“ in Berlin-Charlottenburg leistet einen lustigen Beitrag zur Klofrage. Offensichtlich wird hier nicht nach Damen- und Herrentoilette unterschieden. Stattdessen gibt es Klos für Träger_innen verschiedener Schuhformen:

Klotür mit Halbschuh Klotür mit Stöckelschuh
Klo für Halbschuh-Träger_innen Klo für Stöckelschuh-Träger_innen

Es wird allerdings davon ausgegangen, dass Menschen, die Halbschuhe tragen, auch ein Pissoir benutzen möchten. Offen bleibt die Frage, wohin Menschen mit Moonboots, Sandalen oder Chucks gehen sollen.

Text & Fotos: Creative Commons by-nc-sa 3.0

Springer lügt wie gepostet (3)

Der Springerkonzern macht weiter mobil gegen die linke Szene. Am 31. Januar 2011 war einige Stunden folgendes Bild online:

Foto: Das Foto zeigt einen ägyptischen Panzer in den Straßen von Kairo

Das Foto zeigt einen ägyptischen Panzer, der gegen Demonstrant_innen in einer ägyptischen Stadt eingesetzt wird. Ganz bestimmt hatte dies nichts mit der Räumung der Liebigstraße 14 in Berlin zu tun…

Die Berliner Morgenpost hat den Fehler bereits korrigiert und ein anderes Bild eingestellt.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0
Foto: morgenpost.de
thx@D. für den Hinweis!

Springer lügt wie gepostet (2)

Die Berliner Morgenpost hat das falsch zugeordnete Foto gelöscht. Gnurpsnewoel. hatte gestern darauf hingewiesen, dass ein Demonstrationsfoto zu einer falschen Demo zugeordnet war. Außerdem trug das Foto eine fehlerhafte Bildunterschrift.

Ein weiteres Foto, das dem Artikel „Liebigstr.: Steine und Flaschen – 40 Polizisten verletzt“ auf www.morgenpost.de zugeordnet wurde, ist ebenfalls falsch. Foto: Das Foto zeigt die Demonstration gegen Polizeigewalt am 28. Januar, beginnend am Rosenthaler Platz.Das ebenfalls von Fotograf_in Glanze stammende Bild gehört den Transparenten zufolge ebenfalls zu einer anderen Demo. Das Bild „… 650 Polizisten gegenüber“ (Fotostrecke, Nr. 4/10) zeigt ein Stangentransparent, das sich ebenfalls auf den Polizeikongress bezieht. Außerdem zeigt das Bild das „Lichthaus“ in der Rosenthaler Straße. Das Foto wurde jedoch der Demonstration für die Liebigstraße zugeordnet.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0
Foto: Glanze
thx@D. für den Hinweis!

Springer lügt wie gepostet

Die Berliner Morgenpost Online bebildert heute einen Artikel über die Demonstration gegen die Räumung des Hausprojekts Liebigstr. 1434 am 29. Januar 2011 in Berlin:

Foto zeigt Menschen in schwarzer Kleidung mit angeblichen Schlagstöcken, die aber aus Styropor sind
Das Bild wurde untertitelt mit „Einige Unterstützer der Hausbesetzer waren mit Schlagstöcken bewaffnet“.

Daran ist alles falsch.

Foto nicht auf Demonstrationsroute entstanden

Das Foto ist am Rosenthaler Platz in Richtung Nordosten geschossen worden. Dies zeigt das Haus im Hintergrund (Weinbergsweg, Ecke Torstraße). Das Haus rechts trägt die Aufschrift „Obenholz“. Das „Obenholz“ ist ein Café am Rosenthaler Platz (Torstraße, Ecke Rosenthaler Straße). Die von der Morgenpost beschriebene Demonstration für die Liebigstraße lief jedoch vom Kottbusser Tor über die Warschauer Brücke zur Rigaer Straße. Offensichtlich handelt es sich um ein Foto der Demonstration gegen Polizeigewalt am 28. Januar 2011 (oder um ein viel älteres Foto). Diese begann auch am Rosenthaler Platz. Sie zog Richtung Brandenburger Tor.

Es handelte sich also nicht um eine Aktion für die Liebigstraße 14. Sehr wahrscheinlich ging die Aktion gegen Polizeigewalt.

Gummi- oder Watteknüppel?

Das Material der vermeintlichen Schlagstöcke ist nicht besonders stabil. Bei der Person rechts im Bild ist der Schlagstock unten abgeknickt. Es scheint sich um ein eher instabiles, biegbares oder brechbares Material zu handeln. Außerdem wurden die Stäbe umwickelt mit Plastik- oder Klebeband. Dies zeigen die Linien auf demselben abgeknickten „Schlagstock“. Auch die Abteilungen auf dem „Schlagstock“ in der Mitte zeigen dies. Die Lichtreflektionen unterstützen diese These.

Es war also keine Bewaffnung zu sehen.

Pseudo-Ausrüstung ist kein Gewaltoutfit

Die einheitliche blaue Kopfbedeckung könnte eine Ironie auf Polizeihelme sein. Sie sehen zumindest nicht besonders gefährlich und stabil aus. Auch die Kreuze auf der Brust scheinen eine Satire auf Polizeisterne sein. Die Kriegsbemalung aus drei Strichen im Gesicht wirkt auch eher ironisch als gefährlich.

Vermutlich hat mensch im Axel-Springer-Haus dies einfach nicht verstanden.

Die Berliner Morgenpost würde gut daran tun, das Bild aus dem Artikel auszubinden und auch die Bilduterschrift zu löschen.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0
Foto: Glanze
thx@E. für den Hinweis!

Schöne Traumwelt?!

Ich traf heute eine Nachbarin in der U-Bahn. Wir unterhielten uns über Kinderliteratur, Pippi Langstrumpf, Räuber Hotzenplotz und die Welt. Sie sagte mir abschließend:

Wir müssen das Kind in uns erhalten! In Zukunft aber brauchen wir vor allem Humor. Wir sollten uns eine schöne Traumwelt erschaffen!
Ich antwortete:
Wir sollten uns eine schöne Realität erschaffen.

Text: Creative Commons by-nc-sa 3.0



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